Samstag, 14. Juni 2014

Zeitreise am Tag der Handarbeiten

Da stehe ich mit meinem Handicap vor dem Bücherregal und lese auf den Buchrücken: ... nähen …  Patchwork … häkeln … stricken … sticken … Spitze … Kreuzstich … Textilkunst … Ornamente … Volkskunst … Mode … Trachten ...
Einige Bücher begleiten mich seit vielen Jahren, die meisten sind dazu gekommen weil Angebote auf Gebrauchtplattformen verlockend waren. Zugegeben gibt es einige, die ich bisher nur mal durchgeblättert habe, was sich in nächster Zeit ändern soll.
Zunächst greife ich zu einem dünnen Buch, das ich schon aus dem Schulhort kenne. Mit diesem Büchlein gehe ich auf Zeitreise und erinnere mich an Handarbeitsunterricht in der Unterstufe, verschiedene Stickstiche auf Aida-Stoff wurden zu einem kleinem Täschchen für Nähzubehör verbunden. In den 70er-Jahren in der DDR war dieser Unterricht gemeinschaftlich für Jungen und Mädchen. Nachmittags habe ich Handarbeiten der Hortlehrerinnen in Springstille bewundert, u.a. beeindruckende bunte Flachstickereien für Kissenhüllen, leider kann ich mich nicht an zugehörige Anleitungen erinnern.

Meine ersten Handarbeiten waren Puppen-Kleidung in Strick- und Häkelmaschen aus Wollresten.


Etwa mit 12 brachte mich ein ausgesonderter, riesiger, Glockenrock weiß mit aufgedruckten blauen Rosen auf die Idee, daraus einen kurzen Rock zu nähen. Meine Oma half mir und nähte nach meiner Navigation mit ihrer fußpedalbetriebenen Nähmaschine 2 Teenager-Röcke und andere Kleidung bis ich Jahre später eine Veritas-Nähmaschine bekam. 

Eine Nachbarin hatte davon gehört und brachte einen Stapel Handarbeitszeitschriften, die sonst im Altpapier gelandet wären. Diese Hefte habe ich heute noch, auf wundersame Weise haben sie sich vermehrt und noch immer blättere ich gerne darin.
 

Es ergab sich, dass ich mir nähen selbst beigebracht habe. Auftrennen von Gebrauchtkleidung half dabei. Stricken und häkeln hat mir meine Oma beigebracht.

Das „Strickbuch“, bearbeitet und ergänzt von Eva Tiesler besitze ich die längste Zeit, ältestes Buch sind die beiden Bände „Das große Handarbeitsbuch“ von Hermine Steffahny. Viele Anregungen für frühe Handarbeiten habe ich Zeitschriften entnommen. Die Umsetzung erfolgte frei nach verfügbaren Materialien und eigenen Vorstellungen. In den 80er Jahren habe ich für Bekannte und Kollegen Jacken und Hosen genäht, als Abendbeschäftigung gerne zeitaufwändige Stickereien oder Kunststrickwerke.

Vor ein paar Jahren habe ich meine Handarbeitsliteratur neu entdeckt und nach mehrjähriger Pause mein Handarbeitswerkzeug heraus gekramt. Nach Konsumernüchterung sind derzeit Handarbeiten für mich unverzichtbar zur Wohnraumgestaltung/Deko, Garderobenergänzung, Umsetzung von Ideen einschließlich Zweckentfremdung und Wiederverwertung von Textilien und anderen Fundsachen.

Mit der Ansammlung von Handarbeitsliteratur habe ich mich erst in letzter Zeit für Autoren interessiert. Bei historischer Handarbeitsliteratur ist ein Standardwerk die „Encyklopädie der weiblichen Handarbeiten“ von Therese de Dillmont. Viele Handarbeitsbücher wurden unter ihrem Namen bei D.M.C. veröffentlicht. Im Beyer Verlag erschienen Bücher von Marie Niedner, Helene Weber, Herbert Niebling, Gussy von Reden u.a. Der Verlag für die Frau veröffentlichte beliebte Exemplare als Reprints. Bei Veröffentlichungen des Vobach-Verlages findet sich wiederholt Helene Mallin  als Autorin.
 
 
Suchmaschinenrecherchen zu den Autoren finden überwiegend antiquarische Angebote von Veröffentlichungen. Bemerkenswert ist die digitale Bibliothek antiquepatternlibrary mit vielen Scans.

Regional betrachtet schätze ich die Recherchen von Luise Gerbing, die in ihrem Buch “Die thüringer Trachten“ zusammengefasst sind.

 

Kommentare:

  1. So viele schöne alte Bücher zu Handarbeiten, Du hast ja eine wunderbare Sammlung! Bei mir steht nur ein uraltes Schweizer Lehrbuch aus dem Handarbeitsunterricht für kleine Mädchen - damals ist man im Unterricht nicht vor komplexen Projekten zurückgeschreckt, das sah zu meiner Zeit etwas anders aus und ist heute ganz vorbei, schade! So sind diese Bücher schöne Zeitzeugen...
    Liebe Grüsse vom Wullechneuel

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  2. Das ist eine tolle Zeitreise, die Du da mit uns veranstaltest, liebe Ute! Danke für's Mitnehmen!!!
    Mir tut es immer noch total leid, dass Du im Moment so gar nicht handarbeiten kannst ... aber vielleicht hast Du ja dadurch die Zeit, all Deine Handarbeitsschätzchen komplett durchzulesen und neue Ideen für "danach" zu sammeln ... :o)))

    GLG und einen wundervollen Sonntag!
    Helga

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  3. Da hast Du eine schöne Bibliothek zu Hause.
    Bei uns hatten in den 70ern nur die Mädchen Nadelarbeit, möchte ich behaupten. In der 3. und 4. Klasse. Und in der 5. und 6. habe ich noch die entsprechende AG mitgemacht, da haben wir sogar ein rückenfreies Oberteil gestrickt. Stricken und Häkeln hab ich auch von der Mutti gelernt, das Nähen an der Maschine hab ich mir aber selbst beigebracht, und das ganz ohne Internet :-)
    LG und alles Gute für den verletzten Arm.
    Judy

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  4. Ich habe mir vor einigen Jahren auf Trödelmärkten die "großen Bücher des Handarbeitens" aus den 70ern vom Kaffeeröster zusammengesucht. Meine Mutter hatte alle Bände und ich hab sie nun auch. Viele andere Bücher braucht man kaum (hab ich aber trotzdem), sind eben schöne Sachen drin.
    LG von der Maus und gute Besserung

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  5. Hallo Ute,
    was für ein toller Post! Sehr interessant, Du kannst schöne Bücherschätze Dein eigen nennen. Ich hatte Handarbeitsunterricht unter strengem Ausschluss der Jungen, was an der Lehrerin lag.
    Nähen und Häkeln habe ich bei meiner Mutti gelernt, Stricken hat mir meine Tante beigebracht. Angefangen habe ich auch mit Puppenkleidung, am meisten habe ich das Nähen beim Abändern/Modernisieren von Kleidung für mich geübt,
    Liebe Grüße
    Marle

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  6. Liebe Ute,
    eine tolle Sammlung hast du da!
    Ich habe gelesen, dass du verletzt bist...wünsche dir schnelle und gute Besserung!
    GlG Karin

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