Mittwoch, 18. Mai 2016

Vom blau machen, in Stoffen treiben und Seminole-Streifen

Für die Ferienwohnung benötigte ich Kissenbezüge 40 cm x 80 cm ergänzend zu vorhandener Bettwäsche. Verwenden wollte ich vorhandene Damast-Kissenbezüge von 80 x 80 cm. Einige habe ich an den Seiten aufgetrennt, die Knopfleisten erhalten und kürzer wieder zusammen genäht. Mit Knöpfen gegenüber von vorhandenen Knopflöchern waren sie schnell genäht und sind schon in Nutzung.




Und was ist aus den heraus getrennten Stücken geworden? ... dazu später.

Erst mal färben. Das mache ich von Zeit zu Zeit gerne weil ich spannend finde, was dabei herauskommt.
Blautöne gefallen mir in der Simplicol-Palette. Überhaupt ist "Blau machen" hier in Thüringen bekannt aus der Zeit, als noch mit Waid gefärbt wurde. Weil dieser Prozess aufwändig ist wurde er später durch Färben mit Indigo in anderen Regionen verdrängt. Nur die Redewendung ist geblieben aus der Zeit, als mit Alkohol angereicherter Urin den Färbeprozess begleitet hat. Gehört habe ich, dass Wartezeiten wenn Färbestoff im Färbe-Bad und zum Trocknen war ebenfalls als "Blau machen" bezeichnet wurde.

Ich nehme die Redewendung wörtlich, verwende allerdings Simplicol rauchblau. Damit ich etwas Einfluss auf den Färbeprozess habe verwende ich einen großen Topf, der eigentlich zum Konserven einkochen ist und gebe Wasser, Salz und die Färbe-Komponenten für rauchblau hinein. Stoffstücke, die ich zuerst eintauche erhalten die intensivste Färbung, das ermöglicht Farbabstufungen. Die Kissenbezüge habe ich zusammen gerollt und tauche welche allmählich ein während ich zusätzlich weitere Textilien in den Topf tauche.
Als die Farbe in der Flüssigkeit verbraucht ist gebe ich die Komponenten für royal blau hinein und experimentiere weiter. Vereinzelt habe ich ein Stück gerollt und wie für batik gebunden. Als royal blau im Topf aus ist gebe ich etwas dunkelgrün dazu aus Restbeständen eines Sonderpostens.

Immer spannend ist, wie die gefärbten Textilflächen am Ende gebügelt aussehen. Durch das Köcheln in meinem Topf entstehen oft Sprenkel-Muster von nicht ganz aufgelöstem Salz am Boden. Die gefärbten Kopfkissenbezüge sind bei 60 Grad farbecht waschbar.

Und was ist aus den herausgetrennten Stoffen geworden? Zusammen mit anderen Stoffstreifen sind daraus Musterstücke für einen Patchwork-Nähkurs zum Thema "Streifentechnik .... Seminole" entstanden, auch Seminole-Musterbänder genäht.

Es ist schön, sich spielerisch in den Stoffvorräten treiben zu lassen und die entstandenen Muster mit den Farbverläufen zu bestaunen.

 
 
 

Kommentare:

  1. Ohhh, das gefällt mir alles sehr gut. Da hast du ja mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen! Die Seminoletechnik hat eine ganz fantastische Wirkung. Ja, und irgendwann werd ich doch noch das Färben probieren müssen ...
    LG este

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  2. Wow, ich bin beeindruckt! Von den vielen gefärbten Tönen und von Deinen Patchworkarbeiten, die sehen ja hammermäßig aus.
    Meine schwarze Textilfarbe, die ich mir vor einiger Zeit gekauft habe, steht immer noch ungenutzt rum...
    LG Judy

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  3. Huh ... du warst ja kreativ und fleißig. Respekt! Und sooooo schöne Blautöne! Nun kann der Sommer endlich kommen. Liebe Grüße vonKarin

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  4. Liebe Ute,
    das ist aber eine sehr schöne Ferienwohnung. Frische Farben finde ich da immer ganz wichtig.
    Hast du gut hinbekommen!
    Liebe Grüße, deine Heike

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