Gabriele hat für heute das Thema der Stoffspielereien gewählt:
Bücher über Handarbeiten gibt es hier reichlich. Ergänzend zu online verfügbaren Inspirationen mag ich die Möglichkeit, ein Buch zur Hand zu nehmen und darin zu blättern. Gabi hatte sicher im Sinn, mal Projekte aus unseren Büchern umzusetzen.
Eine Wunschliste zum nähen nach Büchern gibt es hier gar nicht, jedenfalls nicht konkret nach Anleitung. Wahrscheinlich kommt das daher dass ich in den 70ern in der DDR angefangen habe zu nähen. Da gab es nur wenige Anleitungen. Zu Projektideen und verfügbarem Material musste man sich einfach selbst Gedanken machen. Dabei ist es auch später geblieben. Vielleicht habe ich so viele Handarbeitsbücher weil sie "früher" nahezu unerreichbar waren. Ich blättre gerne in Handarbeitsbüchern und schaue auch gerne grob über Anleitungen. Ideen und Pläne sammeln sich so an ohne dass ich dazu eine Wunschliste führe. Gerne kombiniere ich dann Projektideen und variiere mit verfügbaren Materialien.
So ist es beim aktuellen Thema auch. Es ergab sich als Quilt-As-you-go-Variante für einen Nähkurs im letzten Herbst.
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| Atarashii Patchwork - japanische Falttechnik |
Atarashii ist eine japanische Falttechnik. Im Buch "Vom Kreis zum Quadrat" werden verschiedene Möglichkeiten beschrieben wie sich Kreise als Ausgangsformen zur Fläche formieren:- 2 Kreise als Lagen kreisförmig umnähen und durch eine strategisch platziere Wendeöffnung verstürzen
- 1 Stoffkreis mit Heftstichen am Rand einreihen und um einen runden Karton spannen
Durch gepatchte Flächen innerhalb der späteren Kreisbögen, Farbkombinationen sowie wechselnde Anordnung der Kreisbögen (vorne oder hinten) ergeben sich unendliche Gestaltungsmöglichkeiten. Das Buch enthält viele Anregungen dazu.
Eine Variante mit Kartonschablonen habe ich probiert. Dabei habe ich mich an der Farbverteilung des Quilts "Postcards of Sweden" orientiert. Das ist allerdings gar nicht das Nähprojekt, das ich heute zeigen möchte.
Meine Vorliebe für Upcycling führte zu einer Variante mit Jeans und Spitzendeckchen. Diese Zutaten hatte ich reichlich vorrätig.
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| Schatzkoffer Deckchen nach Größe geordnet |
Jeans gibt es hier auch reichlich, viele davon vom Enkel (zu klein). Ihr wisst wie das ist mit den Jeans. Für die einen sind sie abgelaufen, für unsereine haben sie Nähpotential.
Inzwischen gibt es für die Atarashii-Technik Schablonen in verschiedenen Größen. Auch die spätere Wendeöffnung ist integriert (hier oben).
Meine Jeansversion funktioniert ohne verstürzen offenkantig. Die Schablone hilft mir, Deckchen in der richtigen Größe zu finden. Sie sollen weder zu dick noch zu großmaschig sein. Die Deckchen appliziere ich auf Baumwollstücke (Hemden) in der Größe der Einlage (hier 12 cm). Das ganze ist mit einer Overlock-Naht umrundet.
Die Denim-Kreise von Jeanshosen sind mittels Schablone und Rollschneider ausgeschnitten. Die Größe der gewählten Schablone ergab sich zuschnitt-optimiert für Hosenbein-Vorderteile. 160 Kreise wollen erst mal geschnitten werden. Eine neue Rollschneiderklinge war im Einsatz.Nach diesen Vorbereitungen konnte es los gehen: die Kreise wurden anhand der Markierungen reihenweise aneinander genäht.
Reihe für Reihe erfolgte unmittelbar das Einfügen der Spitzeneinlagen und absteppen welches gleichzeitig die Einlagen befestigte.
Für die Markierung der Bogenlinie habe ich die Schablone genutzt. Sashikonadeln und Erfahrungen bei Visible Mending waren hilfreich. Eine offenkantige Überlänge habe ich bewusst eingeplant und bin mal gespannt wie die verschiedenen Denim-Arten fransen werden. Mir gefällt wie die Treffpunkte der Blöcke eine Blüte bilden. Vor der ersten Wäsche werde ich die Überlänge sicher im Rag-Time-Style einschneiden. Es bleibt spannend, wie der Quilt sich dann verändern wird.
So wuchs Abend für Abend die Fläche um eine Reihe. Der Vorteil bei Quilt-As-you-go ist, dass es dann gleich fertig ist mit vorzeigbarer Rückseite.
Inzwischen ist der Quilt fertig und auch schon benutzt. Nun folgt endlich ein Foto in ganzer Pracht:
Noch eine Woche ist der Quilt Bestandteil einer Ausstellung in der Kulturscheune Mühlberg zum Thema "Upcycling".
Vielleicht habt ihr Gelegenheit, dort vorbei zu schauen. Vieles gibt es zu Bestaunen aus Papier, Metall, textil oder anderen Materialien. Hier kann man etwas mehr erfahren zur Ausstellung. Mit einer Upcycling-Auswahl aus Jeans und Spitzendeckchen durfte ich dabei sein.

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Stoffspielerei-Termine 2026:
25.01.2026: "Ein Buch als Inspiration" bei Langer Faden
22.02.2026: „Licht & Dunkelheit“ bei HeyyOskar
29.03.2026: „Taschen“ bei Petersilie und Co
26.04.2026: „Altes in Neuem“ bei feuerwerk by KaZe
31.05.2026: „Englisch Paper Piecing“ bei 123-Nadelei
28.06.2026: „Tierisches“ bei zwisch-en-durch
Juli und August: Sommerpause
27.09.2026: „Die Kunst des Weglassens“ bei Tyche's Touch
25.10.2026: „Schablonieren“ bei Siebensachen zum Selbermachen
29.11.2026: „Teppiche“ bei made with Blümchen
Dezember: Winterpause
Mega Idee! So bleiben die Spitzendeckchen kunstvoll ohne ihre biedere Anmutung. Die offenkantige Verwendung von Jeans ist sehr geschickt, zumal entsteht bei dieser Technik keine Notwendigkeit eine Rückseite anzufügen! Diese Projektidee wandert auf meine ToDo Liste, um den auch hier vorhandenen Stapel zu verarbeitender Jeanshosen kleiner werden zu lassen ;-) Ich denke, die Jeanskreise werden recht unterschiedlich fransen, je nachdem wie der Kreis die Schussfäden/Kettfäden getroffen hat. Ich habe einmal ein FauxChenille mit geschnittenen Kreislinien gemacht, da zeigte sich dieses unterschiedliche Fransen nach dem Waschen recht deutlich. Aber vielleicht sind die fransenden Fäden des Jeans auch weiß und harmonisieren dann mit den Spitzendeckchen. Liebe Grüße!
AntwortenLöschenLiebe Ute, deine Decke ist gigantisch. Wie toll du Jeansstoffe und Spitzendeckchen verwendet hast, finde ich beeindruckend. Aus Atarshi-Technik wurden in meiner alten Quiltgruppe vor sehr vielen Jahren viele Quilts, aber eben aus den üblichen Patchworkstoffen hergestellt. Das hat mich nie besonders gereizt.
AntwortenLöschenAuch ich lese gerne Bücher und weiß später nicht mehr genau, woher all mein Wissen um verschiedene Techniken oder bestimmte Designs kommen. Sicher ist, ohne die vielen Bücher würde mir etwas fehlen.
Liebe Grüße Gabi
Tolle Idee. Soviel Häkel- und Strickdeckchen ist ein wahrhaftiger Schatz. Die Decke ist grossartig geworden. Liebe Grüsse von Regula
AntwortenLöschenLiebe Ute,
AntwortenLöschenwas für ein eindrucksvoller Quilt! Die japanische Technik kannte ich bislang nicht vom Namen her, sondern nur als plastische Arbeit für einen Raumteiler. Natürlich muss der Jeansstoff noch ausfransen, und - wer hat schon so viele Spitzendeckchen vorrätig?
Schmunzelnd frage ich mich, ob ein junger Mann solch einen Quilt benutzen würde...
Danke für die ungewöhnliche Idee, liebe Grüße von Tyche
Liebe Ute,
AntwortenLöschenso einen Schatz muss man erst mal zusammentragen! Wow!
Aber es ist schön, wenn ein paar der Schätzchen nun ein neues Leben bekommen haben. Das ist ja eine interessante Technik.
Und das Ergebnis sieht wunderbar aus!
Wie sich das allerdings in der Waschmaschine verändern wird kann man sich nur vage vorstellen. Vermutlich nicht gleichmäßig.
Auf alle Fälle ein tolles Experiment!
LG
Elke
was für eine Sammlung an Spitze! WOW!
AntwortenLöschenDiese Technik hab ich vor Jahren mal auf einer kleinen Handarbeitsmesse in Oberstdorf kennengelernt. Da sah das aber klassisch "amerikanisch" aus Patchworkstoffen aus. Bei dir hats einfach Stil! Mega! Gefällt mir sehr gut. Danke fürs Zeigen.
Liebe Grüße,
Maria
Welch ein Prachtstück! Deine Stoffsammlung scheint nie aufgebraucht zu sein ? Wie schwer wurde die Decke mit all den Jeansstoffen? Ich habe in ähnlicher Technik nur einmal eine Tasche genäht mit Jeanshemdenstofen und kann mir gut vorstellen, wie meditativ das Einfügen der Mitten und Steppen der Segmente war. Ein Projekt, das nur du so hinbekommst. Sehr schön. Liebe Grüße, Elvira
AntwortenLöschender inhalt deines schatzkoffer ist für diese stoffarbeit prima * mit jeans bekommt die decke einen "frischen" aussehen * mir gefaellt besonders das blau mit weiss und so etwas kenne ich nicht und werde es gerne mal probieren mit kleine deckchen die ich habe (in kleinformat) * sehr fröhlicher eindruck !
AntwortenLöschenliebe grüsse mo
Die Technik kannte ich bisher nur dem Namen nach. Deine Art der Umsetzung jedenfalls ist sehr gelungen. Vor allem der Kontrast zwischen den filigranen Spitzendeckchen und dem derben Denim gibt den Ganzen nochmal extra Spannung.
AntwortenLöschenLiebe Grüße, heike
Was für ein großes Teil, wow und der Kontrast zwischen Denim und Jeans ist großartig. Ich selber hätte es wohl nicht übers Herz gebracht die Spitzenstücke zu zerteilen.
AntwortenLöschenSchade schade, dass ich nicht vorher von der Ausstellung wußte, war ich doch gerade in Thüringen unterwegs. Es ist überall gut was zum Ansehen.
viele Grüße Karen
Super! Eine große und umfangreiche Arbeit, aber zweimal „verwertet“. Dein Quilt war auf der Ausstellung bestimmt vielbeachtet.
AntwortenLöschenLG
Beate