Sonntag, 28. April 2019

Stoffspielerei vom Bauhaus inspiriert

Das Bauhaus wird 100. 
Deshalb hat Beate von siebensachen-zum-selbermachen dieses Thema gewählt und sammelt Stoffspielereien zum Thema Bauhaus.



Das Thema brachte mich dazu, Bücher zum Thema aus meiner Sammlung zu ziehen und darin zu lesen.


Fragen wie z.B. 
   Warum und aus welchen Bewegungen entstand das Bauhaus? 
   Warum in Weimar? 
   Ist das reduzierte „aufgeräumte“ Design typisch deutsch? 
beschäftigten mich. 
Die Geschichte des Bauhauses ist nicht zuletzt wegen dem Jubiläum in vielen Medien anschaulich dokumentiert. Deshalb schreibe ich kurz etwas zur …

Vorgeschichte.

Um 1900 bemühten sich viele Künstler um Einfachheit. 1908 wurde der Deutsche Werkbund gegründet. Nach dem 1. Weltkrieg beeinflussten die Ideen des Werkbundes die Gründung des Bauhauses 1919 in Weimar. Wesentliche Forderungen des Werkbundes nahm später Walter Gropius in sein Programm für die Bauhausgründung auf. Die Rolle der Künstler (Kunstunternehmer, Kunstarbeiter, Individualkünstler) wurde überdacht. Werkstättenbewegungen in Dresden und München wurden zur Existenzbasis für viele Gestalter. Reproduktionszahlen und Funktionalität bestimmten die Erneuerung von Gebrauchskunst in Zusammenarbeit mit der Industrie. Daraus folgten allmählich vereinfachte Formgestaltungen. Die neue Kunst ließ dekorative Elemente weg. Grundtöne, Grundformen und Grundfarben wurden Gestaltungselemente für die Abstraktion der Realität. Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit von Peter Behrens mit der Firma AEG zur Designentwicklung von Lampen im neuen geometrischen Stil.
Nach dem verlorenen Krieg und der Novemberrevolution vollzog sich in Deutschland ein politisch ökonomisch und sozialer Wandel als Wegbereiter der modernen Kunst. Das Kunstverständnis änderte sich grundlegend. In Weimar wird Harry Graf Kessler zur Schlüsselfigur der elitären ästhetischen Bewegung. Er war mit Henry van de Velde befreundet. Van de Veldes Leistungen in Weimar (Kunstgewerbeschule 1906, Neubaus Kunstschule 1912) schufen die Grundlage für die Gründung des Bauhauses. Über van de Velde hatte ich hier bereits geschrieben.

Frauen im Bauhaus

Das staatliche Bauhaus öffnete 1919 seine Türen in Weimar mit dem Versprechen zur Aufnahme ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht. Allerdings widersprach diese Geschlechterkonzeption den Vorurteilen einiger Bauhausmeister. Sie meinten, Frauen sei eindimensionales Sehen angeboren. Deshalb sollten sie lieber an Flächen arbeiten. Als Lehrmeister waren Frauen die Ausnahme. Frauen erhielten eine Klasse für sich: die Weberei.
Bedeutende Impulse für Industriedesign kamen aus dieser Klasse. Systematische Versuche zu Materialeigenschaften und eine engere Zusammenarbeit mit der Industrie folgten in Dessau. Beispielsweise entwickelte Anni Albers einen Stoff, der auf einer Seite schallschluckend und auf der anderen Seite lichtreflektierend war.
1933 erhielten viele Bauhauskünstler Berufsverbot. Im gleichen Jahr schloss es seine Türen. 

Bauhaus Dessau

Der Mythos des Bauhaus umfasst real nur eine kurze Episode von ein paar Jahren. Um so beachtlicher ist, wie die Designs bis in unsere Zeit geschätzt werden. Kein Film im Modernen Milieu kommt ohne einen Barcelona Chair aus.

Barcelona-Pavillon


Keine Frage, die Bauhaustradition lebt. Was macht sie aus? Viele Prinzipien sind uns vertraut:
  • Alles beginnt mit dem Material
  • Form folgt der Funktion
  • ...
Haus am Horn in Weimar

Stoffspielerei vom Bauhaus inspiriert


Gerne folge ich im ganz kleinen Rahmen textilen Beispielen aus dem Nachlass des Bauhauses. Die Auswahl fiel schwer. Kopien widersprechen den Prinzipien des Bauhauses. Gewählt habe ich Wandteppiche von Anni Albers als inspirierende Grundlage. 


Anfangs habe ich überlegt, ob ich Farben nach meinen Vorlieben anpasse. Dann fand ich es aber gerade reizvoll, in die kompetent komponierte Farbzusammenstellung einzutauchen und möglichst ähnliche Farben zu verwenden. Teppiche bilden Flächen aus Kett- und Schußfäden. Gewebt bilden die sichtbaren Fäden der Flächen die Farben. Garantiert sind die Wiedergaben über Fotos bereits farbverfälscht, das vernachlässige ich. Ich suche geeignete Farben in meinem Bestand, ein weiterer Kompromiss. Am nächsten kam ich mit Textilien aus der DDR. Graue synthetische Streifen füge ich ein als Reminiszenz an Experimentierfreude mit Funktionsstoffen.


Reizvoll fand ich, dass sich die Anordnung der Flächen in Streifen als Nähbasis zurückführen lies.


Gequiltet habe ich mit einem speziellen Nähfuss auf der Naht um die entstandenen Flächen nicht zu teilen. Das funktionierte nur bedingt.


Am Ende hatte ich einige Streifen (Breite 4,5 cm) übrig und beschloss mit dieser Auswahl sowie ein paar weiteren Stofresten eine zweite Kissenfläche zu gestalten. Das hat Spaß gemacht. 


Mit dem Farbspektrum habe ich mich angefreundet. Das war zunächst fremd. Quilten musste nun unbedingt mittig der Flächen sein, das ergab eine Fensteroptik die ich mag. Nebenbei bemerkt fand ich Quiltlinien nur in eine Richtung auch sehr schön.


Bauhaus-Auswahl in den Medien

Podcastserie Deutschlandfunkkultur: Frauen im Bauhaus – Anni Albers
Vogue Artikel: 10 Fakten über Anni Albers – die deutsche Bauhaus-Künstlerin, die bis heute die Mode beeinflusst
Künste im Exil: Bauhaus
Mode mit der Kunst von Anni Albers – SPRZ NY
Paul Smith widmet Anni Albers eine Minikollektion
Hommage an Josef Albers: die neue „Quilt Collektion“ vonA.P.C.
Gardinen wie abstrakte Bilder: Textilentwürfevon Anni Albers.
Spiegel online: Ausnahmekünstlerin Anni Albers, Ihre Fäden führten in die Zukunft

Die Stoffspielereien


Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.
Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.Bist du nächstes Mal auch dabei?

Die nächsten Termine:
26.05.2019: „Heimat“ bei Nahtlust
30.06.2019: „Afrika“ bei made with Blümchen
29.09.2019: „Miniatur“ bei Feuerwerk bei Kaze
27.10.2019: „Handweben“ bei Schnitt für Schnitt
24.11.2019: (Thema noch offen) bei Nähzimmerplaudereien
Im Juli und August machen wir eine Sommerpause.
Einen Überblick über die bisherigen Stoffspielereien findest Du hier.

Mittwoch, 24. April 2019

Nadelbuch für Nähmaschinennadeln

Seit langer Zeit hatte ich mir vorgenommen, für meine Sammlung an Handnähnadeln und Nähmaschinennadeln eine übersichtliche Aufbewahrung zu nähen. Lange habe ich über Form, Größe, Materialien und Beschriftungsmöglichkeiten nachgedacht. Letztes Jahr habe ich mich selbst herausgefordert und als Thema zum Nähkurs "Nähzimmerhelfer" auf meine Liste gesetzt.

Heute zeige ich mein Nadelbuch für Nähmaschinennadeln.



Die Hülle entstand beim Ordnen von Garnresten als Wollapplikation.



Als Merkhilfe zur Orientierung, welche Nähnadel gerade in der Maschine ist verwende ich eine alte Hutnadel. Sie ist schon etwas rostig, erfüllt diese Aufgabe aber trotzdem perfekt und elegant.

Der folgende Einblick zeigt, wie ich benutzte Nadeln von neuen Nadeln unterscheide: Ich stecke die benutzten anders rum.


Um die Informationen der Schachteln bei den Nadeln zu behalten hatte ich alle meine Schachteln auf den Farbkopierer gelegt. Im Nadelbuch sind die Kopien hinter Vinyl den Nadeln zugeordnet. So habe ich immer einen Überblick zum Bestand und stelle gleich fest, wenn sich eine Lücke auftut.

Bei Susanne habe ich zu den Stoffspielereien immer die schönen Nadelbriefe bewundert. Auch das hat mich motiviert "mein" Nadelbuch für meine Nähbedürfnisse zu nähen. Dieses Nadelbuch entstand aus Woll- und Filzresten sowie Hemdenstoff. Ich verlinke es beim Nahtlust-Nadelbriefjahr 2019 zum Thema Upcycling.

Als ich das erste Buch genäht hatte konnte ich gar nicht aufhören und habe weitere Ideen ausprobiert. Es ist eine ganze Nadelbuchbibliothek geworden. Deshalb sind auch keine Verschluss-Knöpfe dran, die würden bei mir stören.


Ich nehme mir vor, immer mal ein Buch aus dieser Reihe vorzustellen. Handnähnadeln sind separat in einem Buch. Nächstes Jahr werde ich einen Nähkurs zu Nadelbüchern anbieten.

Samstag, 20. April 2019

Osterdeko und Utensilo

Der Frühling ist da, der Kalender kündigt Ostern an ... ich gestehe, dass hier noch ein Weihnachtswindlicht rum steht. Saisonales Dekorieren liegt mir nicht. So überlege ich eher, ob es Sinn macht, Holzosterhäschen aus einer Kiste zu kramen und für ein paar Tage ans Licht zu lassen.

Zeigen werde ich genähte Utensilos aus Baumwoll-Osterdeckchen als Upcycling. 



Eines davon entstand passend für eine CD als Bodenverstärkung. Der Zuschnitt des umlaufenden Teiles oben ist 40 cm bei einer Nahtzugabe von 0,75 cm. Die Nahzugabe liegt unter der CD. Deshalb ist das Teil leicht zu nähen.



Gefaltete Dreiecke, Prärie-Punkte genannt, fand ich passend da das Utensilo auch zum Verstecken von Geschenken im Garten genutzt wird. 



Ein größeres Utensilo entstand mit umlaufendem Seminole-Patchworkmuster aus Stoffresten. Letztes Jahr hatte ich ein paar YoYo-Jersey-Blüten dran gesteckt.



Ostereier anmalen brauche ich nicht, ich verwende Spitzendeckchen als Verzierung. Vorletztes Jahr hatte ich darüber geschrieben.



Auch im Garten gibt es Häkeldeckchen. Eine Freundin hatte mir 2 Stück mit Zement präpariert.



Ich wünsche eine schöne Osterzeit und freue mich über wärmeres Wetter.

Sonntag, 31. März 2019

Geometrische Stoffspielerei mit EPP

Karen von feuerwerkbykaze ist heute Gastgeberin der Stoffspielereien. Thema ist Geometrie.



Meine Stoffspielerei kommt aus der technisch und gestalterisch vielfältigen Welt des Patchwork. Inspiriert hatte mich Kristina mit Ihrem La Passacaglia Quilt. Sie nennt Ihr Projekt EPP-Monsterquilt. 

EPP im Zusammenhang mit Patchwork ist die Abkürzung für English Paper Piecing.
Praktisch bedeutet es, dass um vorbereitete Papierschablonen Stoffstücke fixiert (geheftet oder geklebt) werden. Eine Nahtzugabe von 0,6 bis 1 cm ergibt sich auf der Papierrückseite. 




Papierschablonen enthalten keine Nahtzugaben - sie beziehen sich einfach auf die Endgröße der Formen, sobald sie zusammengenäht sind. Die Papierschablonen sind traditionell geometrische Formen und bestimmen wesentlich die Gestaltung der späteren Fläche. Eine Anordnung von Formen, die eng zusammenpassen, ohne Überlappungen oder Lücken, um eine Ebene in einem sich wiederholenden Muster zu bedecken nennt man Tessellation. Daraus ergibt sich viel Potenzial für die Erstellung von Designs, die endlos wirken. Durchdachte Farbplatzierungen ergeben unterschiedliche Designs, die auf Grundformen (z. B. Sechsecke) zurück zu führen sind. 



In meinem Text hier werde ich mich mit einem Beispiel dem geometrisch mathematischen Aspekt dieser Technik widmen.

Lange habe ich darüber nachgedacht, wie ich die Papierschablonen effektiv erzeugen kann und bin schließlich auf Acrylstempel gestoßen, die ich zur Markierung verwende. Bevor ich mich in ein „Monsterprojekt“ stürze wollte ich die Technik erst mal ausprobieren und habe aus Stoffresten ein paar Fünfecke aneinander genäht, dazu am Ende des Beitrages mehr. Diese ersten Versuche im Patchwork von Hand über Papier nähen haben mich ermutigt, weitere Papierschablonen vorzubereiten, mit Hemdenstoffen zu beziehen und aneinander zu nähen.

Die vielfältigen Möglichkeiten der Rauten-Schablone (Diamond) brachten mich dazu, mich auf diese Form zu beschränken. Diese Form hat vier gleich lange Seiten. Die Winkel sind gegenüber liegend 60 Grad und 120 Grad. 


Folgende Eigenschaften sind die Basis von EPP-Projekten:

  • Die aneinander zu nähenden Kanten sind gleich lang.
  • Die Summe der aufeinander treffenden Winkel zwischen den Kanten ist 360 Grad (geschlossener Kreis).
  • Symmetrie und sich wiederholende Muster werden optisch ansprechend empfunden. Sie vermitteln ein Gefühl von Harmonie und Ordnung.
Das gilt auch für aneinander genähte Quadrate und Vierecke.

In meiner Planungsphase ist mir aufgefallen, dass beliebte EPP-Projekte im Punkt des Aufeinandertreffens 5 Spitzen, 6 Spitzen oder 8 Spitzen verbinden. Diese Werte ergeben die Zwischenformen: Fünfeck, Sechseck oder Achteck. Solche geometrischen Figuren finden sich aus einem Stück in passender Länge mitunter zwischen zusammen gesetzten Formen. Vorausdenkend ist zu berücksichtigen, dass an jeder weiteren Spitze die Fläche auf 360 Grad geschlossen werden sollte, um eine ebene Fläche zu erhalten.

Mein Beispiel beschränkt sich auf Figuren mit Rauten-Schablonen von 60/120 Grad. Zunächst hatte ich je 3 Teile hell, mittel und dunkel aneinander genäht und zu 4er Gruppen zusammen gefügt. Im Laufe der Zeit ergab es sich, dass ich mit wechselnden Farben und abweichender Anordnung ein paar sternförmige Gebilde nähte. 



mit dieser Anordnung erbeben sich 2 Lücken für
1/2 Rauten = gleichschenklige 60 Grad Dreiecke
Zwei Gebilde habe ich kaleidoskopartig verzahnt ineinander genäht.
L-förmig angeordnet sollen Sie asymmetrischer Blickfang der Fläche werden, eingebettet in eine Baby-Block-Fläche. 




Mein Projekt schreitet langsam voran. Irgendwie brauche ich derzeit diese Nadelei. Entscheidend ist, dass es allabendlich fortschreitet. Manchen Abend ist mir auch einfach nur nach Papier um Schablonen heften. Die Einbettung der speziellen Formationen in die Babyblockfläche mit den erforderlichen Anschlüssen braucht etwas mehr Power. Manchmal ist das genau richtig und ein anderes Mal entspannt es einfach, die sich wiederholende Abfolge wie ein Mantra zu durchlaufen. Ich schätze, ich habe mir dieses Projekt instinktiv ausgesucht. Florence Knapp (Flossie Teacake) beschreibt in ihrem Buch (Foto oben) die ablenkende, beruhigende Nebenwirkung solch einer Handarbeit. Ausschlaggebend für den Kauf dieses Buch waren für mich Informationen über  Patchworker wie z. B. Lucy Boston und Einblicke in die Geschichte des EPP.

Von einem Quilt, der auf 5ecken basiert (wie z.B. der La Passacaglia Quilt) bin ich abgekommen. Die sich ergebende Formation umfasst u.a. einige recht spitzwinklige Formen. Das ist nicht so leicht zu nähen. Gerne sehe ich mir EPP-Nadeleien anderer Patchworker an und analysiere inzwischen die verwendeten geometrischen Formen und Winkel anhand der sichtbaren Muster:

Ein Grund für die Beliebtheit von EPP ist sicher, dass man ein übersichtlich kompaktes Projektstück mit auf reisen nehmen kann.

Und was passiert eigentlich, wenn die Summe der aufeinander treffenden Winkel kleiner ist als 360 Grad? Die Fläche wird dreidimensional. Aus 12 Fünfecken entsteht eine Kugel, bei mir ein Nadelkissenball:



Nun freue ich mich auf die Beiträge der anderen Stoffspielereinnen und  und gehe online lesen.


Die Stoffspielereien
Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach eine Mail oder einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein - ganz persönlich und individuell.

Die nächsten Termine:
28.04.2019: "100 Jahre Bauhaus" bei Siebensachen zum Selbermachen 
26.05.2019: "Heimat" bei Nahtlust
30.06.2019: "Afrika" bei made with Blümchen 
29.09.2019: „Miniatur" bei Feuerwerk bei Kaze 
27.10.2019: "Handweben" bei Schnitt für Schnitt 
24.11.2019: (Thema noch offen) bei Nähzimmerplaudereien 

Einen Überblick über die bisherigen Stoffspielereien findest Du bei „Siebensachen zum Selbermachen“. 

Donnerstag, 14. März 2019

Vielfältige Kissen nähen mit Kindern

Anfang des Jahres kam eine Anfrage vom MGH Familienzentrum „Die Insel“ in Suhl zur Gestaltung und Betreuung eines Nähkurses für Kinder. Besonderheit des Kurses war, dass die Kinder in Begleitung eines Erwachsenen nähen. Für ein Elternteil oder Großeltern war dies Gelegenheit, Zeit miteinander zu verbringen und Erlebnisse zu teilen.

An 5 Donnerstagen reisten nachmittags Kinder im Alter von 8 – 12 Jahren mit Nähmaschine und „persönlichem Assistenten“ an, um gemeinsam zu nähen. Das Familienzentrum hat für solche Freizeitgestaltungen optimale räumliche Voraussetzungen. Zu Beginn jedes Näh-Nachmittages besprachen wir unsere Projekte und tauschten Erfahrungen aus. Ein großer runder Tisch war reich gedeckt mit Tee, Kakao, Fruchtsaft, Obst und kleinen Schoki, eine sehr gute energetische Grundlage zum Nähen.


Aus Erfahrungen anderer Nähkurse mit Kindern weiß ich, dass Kissenbezüge zu den beliebtesten Nähprojekten von Kindern zählen. Deshalb wählten wir das Thema:

Nähen von Kissenbezügen mit individueller Gestaltung

Nähspaß für Kinder (ab 8 Jahre) und Eltern
·       Unterschiedliche Flächengestaltung
·       Verschiedene Größen und Verschlüsse
·       Grundfunktionen einer Haushaltsnähmaschine

Nicht nur Erwachsene haben Spaß am Nähen sondern auch viele Kinder wollen Nadel und Faden in die Hand nehmen und sich auf der Nähmaschine ausprobieren.
Zu unserem Nähworkshop laden wir Mädchen und Jungen ein, sich Kenntnisse an der Nähmaschine anzueignen und mit kleinen Nähprojekten Erfahrungen und Fähigkeiten zu erlangen.
Eine Begleitperson gibt den Kindern Unterstützung bei anspruchsvollen Anforderungen.
Die Kinder lernen den Umgang mit einer Nähmaschine sowie die einzelnen Schritte bis zur Fertigstellung einer Kissenhülle

Kinder verfügen über viel Phantasie und das Bedürfnis, sich selbst zu erproben. Dieser Nähkurs bot Ihnen Gelegenheit, in das Universum des Selbernähens vorzudringen, um praxisnahe einige vorbereitete Nähprojekte fertigzustellen. Bewusst gab es keine Terminstellungen oder Zeitdruck. 
Nähen ist ein komplexer Vorgang mit Anforderungen an das dreidimensionale Vorstellungsvermögen. Es erfordert Überblicken zur Reihenfolge der Arbeitsschritte sowie Beherrschung von Maschine und Zubehör mit den ausgewählten Materialien. All das will erst mal angetestet werden, am besten mit einem kleinen Projekt. 
Theoretische Erläuterungen sind erst mal weniger gefragt und eigentlich ist es auch egal, mit welchem Baustein des Nähuniversums man beginnt. Irgendwann muss garantiert die Spule wieder aufgespult und die Nadel neu eingefädelt werden. Dann ist der richtige Zeitpunkt, um sich damit zu beschäftigen.

Erstes Nähprojekt: Minikissen für Stecknadeln

Auf eine Fläche von ca. 12 x 24 cm wurden Streifen aufgenäht. Die Kinder konnten die Streifen selbst auswählen und durch Platzierung/Verlauf die Fläche individuell gestalten. Dieses erste Projekt war Übung zum gerade nähen entlang einer Führung. Die Flächen wurden zu kleinen Nadelkissen zusammen genäht, so etwas benötigt man beim Nähen ständig.



Zweites Nähprojekt: Kissenbezüge 40 x 40 cm nähen und gestalten

Eine Auswahl von Stoffen in passender Breite wurde zu einmaligen Kissen zusammen genäht. Ein Element davon wurde mit genähten Biesen verziert. Auch eine Gelegenheit gerade an einer Führung zu nähen und mit einfachen Möglichkeiten eine Fläche zu gestalten.
Ein Stoffstück mit Einhorndruck wollte richtig eingenäht werden so dass die Einhörner nicht etwa „Kopf stehen“.
Die Rückseite aus einfarbigem Baumwollstoff verlangte nach individuellen Verzierungen durch aufgenähte Streifen oder Büommelbordüre. Letztere forderten die Unterstützung der Assistenten, deren Hilfe nicht nur zum Bügeln gerne angenommen wurde. Als Verschluss konnte eine fertige Knopfleiste von Second-Hand-Stoffen (Hemd) genutzt werden. Einige Kissenbezüge erhielten Kam-Snaps-Druckknöpfe als Verschluss.




Drittes Nähprojekt: Leseknochen mit Stoffstreifen

Nach vorzeigbaren Erfolgserlebnissen haben wir uns an etwas Schwierigeres gewagt. Für Leseknochen haben wir Stoffstreifen auf Untergrundstoffe genäht mit der „Quilt as you go“ Methode. Auch hier war es wichtig, möglichst gerade an der Kante ausgelegter, fixierter Stoffe zu nähen. Außerdem war zu berücksichtigen, dass der aufgelegte Stoff auch nach dem Umklappen lang genug sein sollte, um die Unterlage zu bedecken. Spaß gemacht hat hier besonders die individuelle Kombination von Stoffstreifen. Einige erkannten schnell, dass breitere Streifen schneller zum Ziel führen. Zum Zusammen nähen der 3 kurvigen Formen des Knochens waren die Assistenten gefordert, auch beim Zuschauen kann man lernen.




Viertes Nähprojekt: Stoffstern

In einer der ersten Projektbesprechungen haben wir uns ausgetauscht zu Wunschprojekten und Umsetzung. Diese angeregte Diskussion hat mich dazu gebracht, runde Stoffrohlinge für Sterne vorzubereiten. Ein bisschen Glitzer braucht so ein Stern, Gelegenheit Stoffmalfarben auszuprobieren. 
Beim Entstehen der Sterne war es mir wichtig, dass die Kinder den Prozess der Reihenfolge erfassen und berücksichtigen. Wann gestalte ich das Gesicht? Warum nähe ich erst und schneide dann die Sternspitzen frei? Das Nähen der 2-lagigen Sternform klappte bei vielen Kindern schon sehr gut. Sicherheitshalber haben wir 2 x umnäht da der Stern ja noch gefüllt wird. Das festigt die Naht und gleicht kleine Nähkurven aus. Das Schließen der Wendeöffnung rückseitig war eindeutig ein Fall für Nähassistenten.



Fazit: Nähen mit Kindern

Ich bin immer wieder überrascht, wie schnell Kinder die Zusammenhänge des Nähens erfassen und sich wünschen selbst „Gas zu geben“. Dieser ersten Euphorie kann Ernüchterung folgen, dass nicht alles gleich so funktioniert wie in den perfekten Gedanken. Hier braucht es Zuspruch und Trost. Hinweise, dass der ganze Nähprozess Training und Übung braucht ist eine wichtige Aufgabe der Begleiter und Kursleiter. 
Die begleitenden Erwachsenen bilden mit den Kindern kleine Teams. Auch das Zusammenwirken will erprobt sein so dass die Kinder Hilfe abfordern, annehmen und daran wachsen. Wie in anderen Lebensbereichen sind Geduld und Ausdauer gefragt. Für die, die dran bleiben ist es eine Sache, die den Charakter bildet und das Leben bereichert.

Ich messe den Erfolg nicht an meinen Siegen, 
sondern daran, ob ich jedes Jahr besser werde.
Tiger Woods

Sonntag, 24. Februar 2019

Stoffspielerei und Färbeabenteuer mit Farbverlauf

Christiane von schnittfuerschnitt ist heute Gastgeberin der Stoffspielereien. 
Thema ist Farbverlauf.


Beim Umgang mit Stoff sind Farben allgegenwärtig. Farben selbst mit einem Verlauf anzuordnen ist reizvoll und vielfältig. Ich zeige heute ein paar Beispiele meiner Färbe-Experimente. Ganz bewusst nenne ich es Experimente, denn ich gehe dabei sehr intuitiv vor.  Einige Hinweise habe ich mir im Rahmen vergangener Stoffspielereinen gemerkt:
  • Stoffe die ich färben möchte spüle ich vorher in einer Soda-Lauge.
  • Essig nach dem färben wirkt farbfixierend.
Ich verwende zum Färben einen Bestand an Simplicol, einiges davon stammt aus einem Sonderverkauf. Bei einer Färbeaktion verbrauche ich meistens 2 Farben der gleichen Grundfarbe, z.B. rauchblau (gibt es leider nicht mehr) und marineblau.
Vom Färben unmittelbar in der Waschmaschine bin ich abgekommen. Gerne habe ich beim Färben mehr Einfluss. Auch beabsichtige ich nicht, fehlerfrei einfarbige Flächen zu färben. Ich mag es gerne überraschend mit Verlauf oder Muster. 
In einem Korb oberhalb der Waschmaschine sammle ich Textilien, die ich gelegentlich färben möchte und immer mal ergibt es sich bei schönem Wetter, dass ich Zeit finde. Dann hole ich meinen großen blauen Topf, der ursprünglich zum Einkochen von Konserven verwendet wurde und fülle Färbesalz, Wasser und die Färbekomponenten der helleren Farbe ein. Die Textilien rolle, falte oder binde ich je nach Muse und gewünschtem Ergebnis. Diese Pakete stelle ich dann in den Topf. 


Absichtlich kommt ein Teil  der Textilien noch nicht mit der Farbflotte in Berührung. Diese ersten eingetauchten Textilien saugen einen Teil Farbkonzentrat weg so dass schon das spätere tiefer eintauchen der Stücke zu helleren Ergebnissen führt. Eine Packung reicht für 3 kg, das ist gar nicht viel. 
Ich nehme die Textilien (viele davon nur an einem Ende gefärbt) raus in eine unmittelbar nebenstehende Schüssel. In die vorhandenen Flüssigkeit gebe ich nun die dunklere Farbe samt Komponenten und fülle Wasser nach. Nun stelle ich die Textilrollen und Pakete mit dem anderen Ende in die Farbflotte, lasse vor sich hin köcheln und drücke gelegentlich mal etwas nach unten.


Den handelsüblichen Farbfixierer verdünne ich in einer Schüssel mit Wasser. Direkt aus dem Färbetopf tauche ich die Färbetextilien in die Farbfixiererlauge. Ich stelle mir vor, dass so der Wirkungsgrad intensiver ist als im Spülgang der Waschmaschine. Von der Fixierlauge wandern die Färbestücke dann in die Waschmaschine. Es ist immer spannend zu sehen, was daraus geworden ist. Wer selbst schon mal gefärbt hat weiß was ich meine.

Eines meiner ersten Projekte war Bettwäsche, die ich mit rot weißem Verlauf färben wollte. Allerdings hat der Spühl- und Schleudergang meine "Schutzfolien" zerstört und alles war einheitlich rot. Hier habe ich dazu geschrieben.

Nicht immer gelingt Färben wie gewünscht, manchmal taugt es dann "nur" für einen Beutel:


Präzises Falten liegt mir auch nicht, meistens ist die Zeit knapp bemessen und ich knote den Stoff, das kann schöne Muster ergeben, perfekt für Patchwork:


Legt man den Stoff wie eine Ziehharmonika und bindet ihn kann das Ergebnis so aussehen:


Mit mehr Geduld beim Reservieren von Flächen nach Shibori-Methoden gibt es filigranere Ergebnisse, die ich auch schon mal erkundet habe:


Die Verwendung von Restmengen an Knopflochgarn verschiedener Farben bringt zusätzlich Farb-Abwechslung.


Selbst gefärbte Stoffe verwende ich gerne für verschiedene Nähprojekte. Aus grün gefärbten Osterdeckchen lassen sich Osterbehältnisse nähen. Stoffreste räume ich oft auf indem ich sie zu Boxy-Bag-Flächen versammle:


Eine Pinnwand in pink gibt es auch.
Chenille Flächen bringen gestapelte Farbverläufe von Stoffen an den Tag:


Manchmal benötige ich Jerseymaterial zum Experimentieren so wie bei folgendem Beispiel: Ein rentnerbeiges Herrenshirt habe ich grün gefärbt. So eignete es sich als Beispiel für Stoffmanipulation im aktuellen Nähkurs. Solche "nichts zu verlieren" Überraschungen finde ich immer besonders erfreulich, das ermutigt zu neuen Experimenten. Besonders spannend finde ich die Kombination verschiedener Techniken, hier Reverse-Applikation mit der Nähmaschine.


Übrigens mag ich auch die Farbverläufe, die sich durch Nutzung und Gebrauch bilden. Bekanntestes Beispiel sind Jeans. Ein Bundstück wurde hier Boxybag-Backside. Das Stickmotiv stammt von einer abgeschnittenen Kinderhose.


Nun habe ich es ganz schön bunt getrieben. Auf ausführliche Beschreibungen habe ich heute verzichtet. Fotos sind bei diesem Thema auch viel passender.
Wer sich mehr wünscht: ein weiteres Färbeabenteuer meinerseits beschreibe ich hier:
Vom blau machen, in Stoffen treiben und Seminole-Streifen

Nicht zu vergessen die Beiträge der anderen in der Sammlung zum Farbverlauf, darauf freue ich mich jetzt und gehe online lesen.

Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat werden die Links mit den neuen Werken zwecks Erfahrungsaustausch gesammelt.

Die nächsten Termine der Stoffspielerei:
31.03.2019: „Geometrie“ bei Feuerwerk by Kaze
weitere Themen: Tierwelt, textile Miniaturen, Stoffreste ...