Sonntag, 26. April 2020

Stoffspielerei Visible Mending

Thema der Stoffspielerei in diesem Monat sind sichtbare Reparaturen. Inzwischen sind solche Reparaturen ein Statement. Sie signalisieren Betrachtern: Ja ich repariere meine Kleidung und zeige das gerne
Vielleicht ist nicht jede Reparatur für beliebige Anlässe geeignet und manchmal gehört auch etwas Mut und Gewöhnung dazu, etwas sichtbar repariertes offen außer Haus zu tragen. Die Vouge schreibt am 22.04.2020: Ausbessern hat noch nie so gut ausgesehen.



Bevor ich Euch meine Reparaturen zeige erst mal die Links der anderen Stoffspielerinnen, die etwas repariert haben:
Das Thema ist vielseitig wie die verlinkten Beiträge. Inzwischen gibt es viele Bücher zum Thema. Hier eine kleine Auswahl aus meiner Bibliothek:


 Ich beschränke mich heute auf Denim / Jeans und verwende Boro und Sashiko-Stiche als dekorative Reparatur-Techniken. Um das Zusammenspiel von Denim, diversen Garnen und Nadeln zu testen habe ich zuerst mit kleinen Stücken experimentiert. Beispielsweise habe ich kleine Stoffstücke aus meinem  Vorrat offenkantig etwas überlappend mit Büroklebestift auf Jeansstücke geklebt. Dauerhaft verbunden sind die Lagen durch Vorstiche. Weil man dafür keine Vorlage benötigt ist das ein entspantes Nadeln bei dem man eigentlich nichts falsch machen kann. Aus den Stücken sind Täschchen entstanden.


Steigern lässt sich dieser Prozess durch ein Muster. Dafür habe ich ein anderes Jeansstück rückseitig mit einem Raster im Abstand von 5 mm markiert. Kugelschreiber hat sich dafür am besten bewährt. Für die Hitomezashi-Sashikomuster (Rasterzählmuster) ist es praktisch, dass es verschiedene Kugelschreiberfarben gibt. Im Buch "Patchwork & Sashiko" von Susan Briscoe sind die Muster der japanischen Stepptechnik für Schablonen und Zählmuster enthalten.


Verwendet man eine karrierte Hintergrund-Lage mit passender Rastergröße kann man sich das Raster-Zeichnen sparen.



Tückisch bei Jeansstoffen heutzutage ist der Stretch-Anteil. Ist diese Funktion nicht wichtig braucht die Reparaturlage auch keinen Stretch. Beispielsweise bei eng anliegenden Hosen macht es Sinn, über die Eigenschaften der Lagen und des Absteppmusters nachzudenken. Möglich sind Bügelvlies, wasserlösliches Vlies und Stoffstücke zum Hinterlegen oder aufnähen mit oder ohne Absteppen.

Leider gehen Jeanshosen nicht (zuerst) an Stellen kaputt, die stylisch mit einem bunten Flicken repariert werden können. Vorher zeigen sich fadenscheinige Stellen an den Reibepunkten der Oberschenkel. Diese Reparatur(en) habe ich Ton in Ton ausgeführt. So wird es auch in diesem Buch empfohlen. 



Die Innen-Naht der Hose habe ich aufgetrennt weil es sich leichter nadelt. Obendrein habe ich auch etwas ausgelassen. Absteppen kann zu Schrumpf-Effekten führen. Ein versäubertes Jeanstück ist mit Büroklebestift fixiert. Ein 5-mm-Raster ist aufgezeichnet. Ich verwende eine lange Sashikonadel und Perlgarn. Mitten im Absteppen kam mir der Gedanke, dass ich den Verlauf des Absteppgarns innen so laufen lassen kann dass es den Stretch nicht beeinflusst und außen das gewählte Muster entsteht. 
Vorne habe ich Blaudruck-Flicken und karierte Hemdstücken aufgesteppt. Die Blaudruckstücke sind im Schrägschnitt aufgelegt weil so ein Stretcheffekt entsteht. Die Kanten sind nach innen umgelegt.  (Foto oben)

Eine andere Jenshose die ich gerne trage ist an gleicher Stelle mit vergleichbarer Technik repariert. Ein 40er Baumwollgarn ergab eine solide dezente Struktur. Die schadstelle kann ruhig etwas plüschen und bekommt vielleicht nebenan Gesellschaft.



Die geöffnete Naht war Gelegenheit, weitere dünn gewordene Stellen zu verstärken.



Zwei nahezu ovale Stücke sind innen mit Büroklebestift fixiert. Mit Multicolor-Perlgarn ist ein Kakiblütenstich (Raster-Zählmuster) in eine Richtung als verbindende Steppnaht ausgeführt. Jetzt ist die Hose wieder solide nutzbar. Ich mag die neuen Stich-Strukturen. Das Garn habe ich hier schon mal für Boro benutzt.



Eine weitere Jeans-Hose möchte ich mit einem Sashiko-Kreisbogenmuster bedecken und mit Blaudruckstoff verlängern (folgendes Foto im Hintergrund). Das Projekt stagniert gerade weil sich das von mir verwendete Garn seit einem ruhenden Nähkurs zum Thema in der VHS befindet. Ich zeige es später mal.



Wichtig beim Reparieren von Jeanshosen sind gute spitze Nadeln mit einem Öhr gerade groß genug für das Garn, das verwendet werden soll. Es empfielt sich, vor Beginn die Nadel mal ohne Faden auf und ab aufgereiht durch den Stoff bzw. die Lagen zu führen. Dann bekommt man schon ein Gefühl dafür wie der Reparaturprozess sich anfühlen wird.

Die Garnauswahl richtete sich bei mir nach Beanspruchung der Flächen. Für dekorative Täschchen oder Wohn-Accessoires kann man Häkel- oder Klöppelgarn verwenden. Für Hosen hatte ich Gerne die vielleicht mal ein Schuster verwendet hat. Lange konnte ich mir keine Verwendung dafür vorstellen. Sternzwirn habe ich auch für Hosen verwendet. Stickgarne sind weniger geeignet da nur leicht gedrillt. 

Die für sichtbare Reparaturen verwendeten Techniken finde ich sehr entspannend. Deshalb sind mehrere Täschchen und Buchumschläge entstanden als Experimente zum Zusammenspiel von Materialien, Schablonen und anderen Hilfsmitteln.





Unendliche Möglichkeiten für jeden Style und viele Vorlieben von Handarbeiten sind für sichtbare Reparaturen nutzbar. Hier noch ein paar aus meinem Blogarchiv:



Die Stoffspielereien

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.
Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.Bist du nächstes Mal auch dabei?
Die nächsten Termine:
31.05.2020: „Blumen“ bei Petersilie & Co
28.06.2020: „Monogramme“ bei made with Blümchen
Juli: Sommerpause
August: Sommerpause
27.09.2020: "Texturen aus der Natur“ bei Schnitt für Schnitt 
25.10.2020: „Textile Behältnisse“ bei Feuerwerk by kaze
29.11.2020: (Thema noch offen) bei Nähzimmerplaudereien
Dezember: Weihnachtspause

Samstag, 25. April 2020

Buchrezension: Stich für Stich kreativ reparieren

Seit 2020 gibt es eine deutsche Ausgabe des Buches "Mending Matters":



Stich für Stich kreativ reparieren
Mending Matters:
Flicken & Upcycling für Lieblingsjeans & mehr

Fotograf: Karen Pearson
Vorwort von Natalie Chanin
Bindungsart: Hardcover
ISBN: 978-3-87512-556-6
Maro Verlag

Mit diesem Buch können wir der Künstlerin und Kunsthandwerkerin Katrina Rodabaugh folgen auf ihrem Weg des Modefastens und kreativen Reparierens.
Mit 22 schön bebilderten Schritt-für-Schritt-Anleitungen zeigt das Buch Lösungen, um Löcher und Risse in Kleidungsstücken in kunstvolle Designelemente zu verwandeln. Die Projekte basieren auf traditionellen Stickstichen, setzen diese aber auf moderne Weise ein. Die Autorin zeigt, wie Flicken aufgesetzt, Risse und Löcher gestopft und abgetragene Jeans und Leinenkleidung zu hippen Tragetaschen oder kuscheligen Schals umfunktioniert werden.
Das eingangs zitierte Motto:
Fange dort an, wo Du bist.
Nutze was Du hast.
Tu was Du kannst.
Arthur Ashe

erleichtert den eigenen Start auf einen Weg nachhaltigeren Textilkonsums. Mit 2 oder 3 einfachen Handsticharten und wenigen vorrätigen Materialien kann man beginnen. 
Ob aufgescheuerte Ärmel, löchrige Bluse oder abgewetzte Lieblingsjeans – dieses Buch bietet Lösungen zum Upcyclen, Umfunktionieren und kreativen Reparieren von Kleidung. Die Entwürfe basieren auf historischen Techniken wie dem japanischen Sashiko, die von jedem leicht erlernt und modern, ungewöhnlich und frei eingesetzt werden können.

Die Autorin teilt mit uns ihre Gedanken zu unserem Umgang mit den Dingen in der Welt und zur Herkunft unserer Ressourcen. Ihre Philosophie ist das »Slow Stitching«. Als Teil der Slow-Fashion-Bewegung beschäftigt sie sich mit dem Thema Nachhaltigkeit und der Frage, wie Mode so hergestellt werden kann, dass weder Menschen noch die Natur ausgebeutet werden. Denn die Folgen der Fast-Fashion-Industrie mit ihrer immensen Überproduktion sind für uns und die Umwelt verheerend. Katarina Rodabaughs Reparaturmethoden zeigen, wie ein Absprung vom schnelldrehenden Modekarussell der billigen Wegwerfkleidung gelingen kann. Sie schildert, wie sie ihren eigenen Modekonsum verändert hat, gänzlich auf die Anschaffung von Neuem verzichtete und dabei nicht nur der Natur, den Materialien und der Herstellung Wertschätzung gegenüber brachte, sondern auch sich selbst. Upcycling und Reparatur sind hier nicht nur Wege zu einem bewussteren Umgang mit Mode im Alltag – die handgemachten Unikate spenden garantiert auch Zufriedenheit und machen Spaß!


Folgen kann man der Autorin auch auf Ihrer Homepage, Ihrem Blog oder bei Instagram.

Fazit: Die Reparaturprojekte und Informationen sind Ideenanreger und praxisnahes Basis-Nachschlagewerk für häufig anfallende Reparaturen. Die Anleitungen sind anschaulich informativ bebildert. 
Aber das Buch gibt so viele Hintergrundinformationen mehr. Gerne habe ich dieses Buch gelesen. Manchmal schlage ich es beliebig auf und lese Gedanken und Anregungen.

Das Buch stellte mir der Maro Verlag auf Anfrage zur Verfügung.

Buchrezension: Verflickt und zugenäht

Um das Ausbessern und Verschönern von Kleidungsstücken geht es in dem Buch



Autorin: Kerstin Neumüller
ISBN: 978-3-258-60209-7
128 Seiten, zahlreiche Farbfotos und Illustrationen
Klappenbroschur, 17 x 24 cm, 428 g
Leseprobe
Haupt Verlag

Ein Riß, Loch under Fleck sind kein Grund dafür, sich von lieb gewordenen Textilien zu trennen wenn man einfache Reparaturtechniken beherrscht. Das Buch vermittelt Tipps und Tricks aus der Nähwerkstatt -  ob von Hand oder mit der Maschine mit einem nützlichen Kapitel über Materialkunde und Textilpflege.

Die Beispiele im Buch motivieren dazu, Kleidung nicht bloß zu reparieren, sondern dabei auch noch zu verschönern und ihr eine persönliche Note zu verleihen. Dafür reichen schon einfache Nähtechniken und verfügbare Materialien aus.

Die schwedische Schneiderin Kerstin Neumüller vermittelt Tipps und Tricks, die sie bei Freunden und Schneiderkollegen gesammelt hat, und sie zeigt unter anderem, wie man auf vielerlei dekorative Arten Kleidungsstücke flicken kann, einen Riss nach Fallschirmjägerart zusammennäht, Strickwaren stopft und Kleidung aus Leder repariert. Ein Kapitel zur Materiallehre bietet wertvolle Informationen dazu, wie neu gekaufte Kleidung möglichst lange heil bleibt.

Die Autorin rat dazu, bereits bei der Anschaffung von Kleidung auf gute Materialien und Verarbeitung zu achten. Das ist die beste Basis von Langlebigkeit und Ausgangspunkt für späteren Reparaturaufwand.

Fazit: Das Buch ist eine komplexe Informationsbasis um selbst Reparaturen an Textilien auszuführen. Die Beispiele sind allgemein gehalten und bieten Spielraum für individuelle Anpassungen nach Reparaturbedarf und persönlichem Geschmack.

Weitere Rezensionen zu diesem Buch habe ich hier und hier gefunden.

Das Buch stellte mir der Haupt Verlag auf Anfrage zur Verfügung.

Sonntag, 19. April 2020

Ankündigung Stoffspielerei und Beispiele für sichtbare Reparaturen

Thema der nächsten Stoffspielerei am 26.04.2020 wird Visible Mending (Sichtbare Reparaturen) sein. Ich finde, dieses Thema passt gut in die Zeit des unvorhersehbaren Rückzuges mit Gelegenheiten für Gedanken an Nachhaltigkeit. Ich beobachte seit längerem die Trends zum Thema. 

Auf einer Online-Pinwand sammle ich Beispiele und Anregungen. Die Sichtbarkeit einer Reparatur ist eine Herausforderung für viele Stellen, die durch Verschleiß kaputt sind. Um so spannender finde ich es, für mich akzeptable Lösungen zu finden und umzusetzen. Manchmal passiert so etwas pragmatisch intuitiv und manchmal dauert es länger, bis sich eine Lösung findet. Auch kann ein Schaden oder ein Fleck Ausgangspunkt für dekoratives Kaschieren sein, z.B. eine Stickerei.

Ein paar Beispiele aus unserem Alltag zeige ich nachfolgend:

Ein Loch in einem Kindershirt wurde rückseitig mit Bügelvlies verstärkt. Das Loch ist nun von einer Maschinenstickerei verdeckt, ein Bügelsticker erfüllt den gleichen Zweck.



Bikerkleidung zu reparieren lohnt sich nicht nur wegen der Anschaffungskosten für Ersatz. Oft ist es schwierig, etwas gut passendes zu finden. Sticker zum Aufnähen oder Aufbügeln gibt es vielfältig. Als Werkzeuge taugen allerdings nur eine stabile Nähnadel, ein Nadelzieher oder Zange und vom Handquilten gestählte Finger denn das Futter soll nicht mit angenäht werden.


Die Möglichkeit zum Aufbügeln ermutigt dazu, die Reparatur anzugehen, ärgerlich nur, wenn Sticker und Hose bei der Einstellung Wolle weg schmelzen. (Backpapier hätte es vielleicht verhindert.) Ein Stück beschichtete Baumwolle überdeckt die raue Fläche.


Der Schulrucksack ist für das tägliche Gewicht zu knappkantig genäht, da hilft nur weiter auftrennen, verstärken (Jeanshose: Streifen vom Kürzen) und fest zu nähen. Mal sehen wie lange es hält.



Eine Sporthose zeigte dünne Knie-Flächen.



Aufgeklebte Jerseystücke sind mit Büroklebestift fixiert und anschließend mit Vorstichen dekorativ aufgesteppt. Ich finde, so kann sich die Hose wieder sehen lassen und wird halten bis sie zu klein ist.



Eine ungewöhnliche Reparatur meines Lieblings-Putzgerätes habe ich nach Jahren endlich erledigt. Das Metallgestell hatte sich durch den Tunnel gepiekt. Immer wenn ich das Teil benutzt habe habe ich mir vorgenommen, einen textilen Ersatz aus Jersey zu nähen und in Streifen zu schneiden. Nun habe ich Lederstücke von einem paar ausgemusterten Schuhen aufgenäht. Der Staubwedel ist aus dem Nachlass meiner Schwiegermutter. Wir freuen uns, dass er wieder fast original einsatzfähig ist. Kennt Ihr so etwas noch oder benutzt etwas ähnliches?



Nächste Woche werde ich hier Reparaturen an Jeanshosen zeigen. Leider zeigt sich in diesen Fällen Verschleiß nicht nur an Stellen, die ich durch eine Reparatur betonen wollte.


Und bei Euch? Repariert Ihr Sachen?
Habt Ihr den Mut, die Reparatur offen zu zeigen?
Ich bin gespannt ...


Reparaturen sammelt jeden Monat Valomea auf ihrem Blog. Mit meinen Beispielen verlinke ich mich nächsten Monat dort. Vielleicht motiviert Euch ein Besuch bei ihr, Sachen in Ordnung zu bringen.

Donnerstag, 27. Februar 2020

Beutel nähen mit Kindern

Heute zeige ich ein paar Foto-Impressionen von einem Nähnachmittag mit Kindern. Das Familienzentrum Insel Suhl hatte zum Näh-Nachmittag eingeladen. 
Das erste Nähprojekt kam gut an. Alle Teilnehmer nähten in 2 Stunden nachhaltige Einkaufsbeutel. Diese sollen im Alltag benutzt werden, um Plastikbeutel und Einwegverpackungen zu vermeiden.

In Vorbereitung des Nähnachmittages hatte ich bei der Initiative Handarbeit & GreenBagLady.org für die Aktion Make me Take me Labels bestellt. 
Finaler Höhepunkt war für jedes Kind, als die selbst genähte Tasche mit einem Bügel-Label komplettiert wurde.




Die meisten Beutel entstanden als Upcycling aus recycelten Textilien: Tischläufer, Tischdecke, Gardine.

Nächste Woche folgt eine Fortsetzung unserer Nachhaltigkeits-Aktion. Nähprojekt werden Zugbandbeutel für Backwaren sein.

#makemetakeme #noplastic #mehrdiy #NixPlastix

Sonntag, 23. Februar 2020

XXL-Stoffspielerei mit Upcycling

Clara hat für die monatliche Stoffspielerei im Februar das Thema "XXL" ausgewählt. Sie sammelt die Beiträge auf Ihrem Blog bimbambuki.
Zunächst dachte ich an eine große Jeanstasche oder eine überdinemsionierte Boxybag bis mir der Zufall zu Hilfe kam. 



Bei einer Fahrt durch das Simsongelände beobachtete ich, wie ein Arbeiter beim Entsorgen von Betriebsabfällen ein großes Stück Stoff hoch hielt und anschließend entsorgte. Kurzerhand habe ich angehalten und gefragt, ob ich den Stoff haben kann. Eine genauere Betrachtung ergab, dass es sich um 2 bedruckte Stoffbanner (Werbung eines Autohauses) handelte. Die großen Fotodrucke erinnerten mich gleich an das XXL-Thema. Ist doch erfreulich, wenn sich die Dinge passend fügen.



Meine Methode zum XXL-Beutel nähen ist effektiv und kann größenflexibel auch für versäuberte Baumwollstoffstücke genutzt werden. Auf Extras habe ich verzichtet, manchmal benötigt man ja einfach nur ein Tragebehältnis mit viel Fassungsvermögen.

1. Zuschnitt
Beim Zuschneiden habe ich die Flächen so groß wie möglich gehalten. Es war spannend, die Platzierung der Motive vorauszuplanen.
Die Taschenkörperflächen sind ca. 130 ... 140 cm breit und 60 ... 70 cm hoch. Das folgende Foto zeigt 2 Beispiele. 
Träger entstanden 3-lagig aus Randstreifen von 65 x 10 cm.

Das Material braucht nicht versäubert zu werden.


Die Kante oben bügle ich schon im ausgestreckten Zustand um: ca 3 ... 4 cm je nach Motiv

2. Nähen eines Beutels ohne Futter

  • Microtexnadeln für Polyestergewebe, Polyestergarn 120 Nm
  • Schließen der seitlich liegenden Flächen rechts auf rechts
  • auseinanderbügeln und einen Zierstich darüber zur Stabilisierung dieser Naht
    Naht ausbügeln und Kante oben nachbügeln
  • Loopform rotieren bis das Motiv sich an der gewünschten Stelle befindet
    Seitenkanten bügeln
  • Naht an der Bodenfläche + zusätzlich ein paar ZickZacknähte zur Verstärkung




  • Ecken markieren (hier 5 cm) und abnähen, nicht abschneiden


  • Taschenkörper oben durch eine Bügelkante mittig markieren
  • rechts und links von der Bügelkante im Abstand von 6 cm Markierungen für die Position der Träger setzen 
  • Die beiden Fotos unten zeigen meinen Nähweg. Mit Geradstich über mein Mäuschen nähere ich mich dem Startpunkt für die 1. Runde.
  • Dort drehe ich für die Umrundung und stelle meine Stichbreite auf 5 mm, die Stichlänge auf 2,5 mm.
    Ich wähle einen Wellen-Zierstich und nähe bis zu der Stelle, an der ein Träger angenäht wird. Auf dem Weg über dem Träger verringere ich die Stichlänge auf 1 mm. Das erhöht die Belastbarkeit.
    Hinter dem Träger schalte ich wieder hoch und nähe mit 2,5 mm Stichlänge bis zum nächsten Träger. usw.


  • Nach der 1. Runde drehe ich um die Tasche 45 Grad und nähe mit Geradstich an die Startposition für eine weitere Runde.
  • Beim Übernähen der Träger verringere ich wieder die Stichlänge.


Diese Methode verwende ich gerne zum Nähen von Beuteln. Die dichten Zierstiche gehen flüssiger als Haus-vom-Nikolaus-Kreuze und sehen bei mir auch ordentlicher aus.

Und nun die Beutel:
Leider hatte ich kein Taschenmodel verfügbar, meine Schneiderpuppe hat sich von ihrer besten Seite gezeigt ... Ergänzend habe ich die Beutel liegend fotografiert. Zum Größenvergleich sind DVDs drauf gelegt. Das ist keine Film-Werbung sondern zusätzlich ein kleiner Einblick in meine Musik- und Filmvorlieben (falls es jemanden interessiert).











Am Ende noch die Auflösung der Automarke, die Trennung des Textes mag ich so.
Von einer Freundin habe ich mal gehört, dass Firmen nicht begeistert von einer 2-Verwertung vom solchen Werbematerialien sind. Das leuchtet mir ein, denn es kann in eine verunglimpfende Richtung gehen.


Mein Upcycling entstand spontan als Müllvermeidung. Die Motive sind wohlwollend neu positioniert nach meinem optischen Empfinden. Verschnitt-Minimierung ist mir auch wichtig und passiert intuitiv. Für mich steht die Funktionalität und mehrfache Nutzbarkeit im Vordergrund.

Aus Reststücken sind noch ein paar kleinere Beutel entstanden. Die grafische Stückelung von großer Schrift erinnert an die Freitag-Taschen aus LKW-Planen. Ein bisschen ist meine Nähaktion inspiriert von diesem großen Vorbild. 



Übrigens gibt es hier immer noch die Linkpartys für plastikvermeidende Tragebehältnisse.
XXL-Taschen passen da rein. Für Upcycling-Beutel gibt es eine separate Linkparty,


Nun bin ich gespannt, was bei den anderen Stoffspielerinnen Großes entstanden ist. 


Die Stoffspielereien

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.
Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.Bist du nächstes Mal auch dabei?
Die nächsten Termine:
29.03.2020: "Draht und Stoff“ bei Nahtlust
26.04.2020: "Visible Mending“ bei 123-Nadelei
31.05.2020: „Blumen“ bei Petersilie & Co
28.06.2020: „Monogramme“ bei made with Blümchen
Juli: Sommerpause
August: Sommerpause
27.09.2020: "Texturen aus der Natur“ bei Schnitt für Schnitt 
25.10.2020: „Textile Behältnisse“ bei Feuerwerk by kaze
29.11.2020: (Thema noch offen) bei Nähzimmerplaudereien
Dezember: Weihnachtspause

Sonntag, 26. Januar 2020

Stoffspielerei und Textiler Schmuck

Siebensachen hat für Januar das Thema "Textiler Schmuck" ausgewählt. 
Zunächst war ich etwas ratlos da ich selten Schmuck trage. Dann ist mir eingefallen, dass ich schon Taschen geschmückt und auch mit Kindern textilen Schmuck gestaltet habe. 



Die Blume besteht aus schwarz bemaltem Baumwollstoff gerafft im Fadenlauf mit Fransenrand. Befestigt ist die Blüte mit Sicherheitsnadel an einer Einkaufs-Tasche.


Letzte Woche habe ich mit Stoffresten eine neue Blüte für die Tasche genadelt, einfach weil es Spass macht.


Meine Shopping-Bag ist auch mit einer Textil-Rose geschmückt. Die Blüte aus Wildseide verdeckt den Übergang des Jersey-Haaransatzes.

Erinnerungen kamen mir in Vorbereitung des Themas heute auch an ein Kleid meiner Mutter. Es war aus einer transparenten Kunstfaser in altrosa. Ich trug es jung an Jahren zu einer Mädels-Faschingsfeier. Mit Erinnerungen an dieses Kleid habe ich eine Rose aus Organza genadelt.




Gerne erinnere ich mich an ein Handarbeitsprojekt mit Kindern, bei dem es um Textile Reparaturen und Gestalten mit Textilien ging:



Aus Jersey entstanden Armbänder in Reversetechnik. Vieles haben die Kinder unbefangen erprobt und farbenfroh genadelt. Ein Faszinator am Haarband oder Armband ist auf jeden Fall faszinierend.







Für einen Handarbeits-Nachmittag mit Kindern entstanden Blüten-Broschen aus dünnen Hemdenstoffen. Falls jemand eine Idee für einen Kinder-Nähnachmittag sucht: Dieses Projekt hat sich gut bewährt. Vorne ist ein YoYo und ein Knopf auf die Lücke in der Mitte genäht. Rückseitig ist ein Klebefilz mit Sicherheitsnadel angebracht.




Beim Stöbern in den Fotos habe ich dann doch noch etwas gefunden, mit dem ich mich gelegentlich schmücke:

ein Haarband

und ein Armband mit Uhr. Beides entstand aus Jerseyresten:
Experimente zur Reversetechnik mit der Nähmaschine.




Ansonsten findet sich hier textiler Schmuck eher als Wohndeko, wobei sich letzteres auch in Grenzen hält.



Nun bin ich gespannt, welchen Schmuck die anderen Stoffspielerinnen gestaltet haben.

Die Stoffspielereien

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.
Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.Bist du nächstes Mal auch dabei?
Die nächsten Termine:
23.02.2020: "XXL" bei bimbambuki
29.03.2020: "Draht und Stoff“ bei Nahtlust
26.04.2020: "Visible Mending“ bei 123-Nadelei
31.05.2020: „Blumen“ bei Petersilie & Co
28.06.2020: „Monogramme“ bei made with Blümchen
Juli: Sommerpause
August: Sommerpause
27.09.2020: "Texturen aus der Natur“ bei Schnitt für Schnitt 
25.10.2020: „Textile Behältnisse“ bei Feuerwerk by kaze
29.11.2020: (Thema noch offen) bei Nähzimmerplaudereien
Dezember: Weihnachtspause