Montag, 17. September 2018

Buchrezension: Jelly Roll Quilts

15 einfach zu nähende Quilts zeigt das Buch:

15 schnelle und einfache Vorlagen
Autoren: Pam & Nicky Lintott (Blog)
Broschur 21 × 27,6 cm, 128 Seiten
Sprache: deutsch
ISBN: 978-3-8307-0980-0
Stiebner Verlag

Es handelt sich um eine Übersetzung der 2017 erschienenen englischen Ausgabe "Jelly Roll Quilts in a Weekend". Die Nähprojekte im Buch sind nach Zeitaufwand gestaffelt geordnet.
Ausgangsmaterial sind Jelly-Roll-Stoffstreifenpakete. Meistens enthält ein Paket 40 Stoffstreifen der Abmessungen
Länge 42 Inch ( 106,68 cm)
Breite: 2 1/2 Inch (6,35 cm)

Die Stoffauswahl jedes Paketes ist farblich aufeinander abgestimmt. Damit ist ein Quilt-Top schnell genäht, vorausgesetzt man hat eine Anleitung zur Verfügung. Dafür bietet das Buch eine kleine aber vielfältige Auswahl.

Die Verwendung von zugeschnittenen Streifen a 2 1/2 Inch bringt es mit sich, dass die Maßangaben der Anleitungen im Buch ebenfalls in Inch angegeben sind. Mit Inch-Linealen ist das keine Hürde. Die Jelly-Roll-Streifen werden ungewaschen vernäht. 

Fazit:
Das Buch enthält schöne Fotos von den Quilt-Decken. Die Fotos regen zum nachmachen an. Die Anleitungen sind anschaulich grafisch bebildert. So manchen Kniff kann man auch bei anderen Patchworkprojekten nutzen.
Für mich ist dieses Buch vorrangig Anregung und Inspiration für Quiltmuster aus Stoffstreifen. Immer mal denke ich über den Kauf einer Jelly-Roll nach. Für Patchwork mische ich oft neue Stoffe mit gebrauchten Stoffen. Deshalb verwarf bisher ich solche Anschaffungsgedanken wieder. Auch ist die Stoffansammlung umfangreich genug und ich kann mir aus vorgewaschenen Stoffen mit Schneidmatte und Rollschneider selbst Streifen schneiden. Anfallende Stoffreste schneide ich beim Aufräumen gelegentlich in 6 cm breite Streifen. Mit solchen Streifen nähe ich sehr gerne kleine Patchworkflächen. Mit etwas Patchworkerfahrung kann man die Anleitungen im Buch leicht abwandeln und vom Inch-Bereich in den cm-Bereich wechseln.

Streifen sind auch Thema der Stoffspielerei in diesem Monat. Ich bin gespannt, ob auch Patchworkprojekte vorkommen werden.

Das Buch stellte mir der Stiebner Verlag auf Anfrage zur Verfügung. 
Weitere Rezensionen zu diesem Buch fand ich hier und hier

Dienstag, 4. September 2018

Upcycling Wimpelketten nähen, so kann es gehen

Noch letztes Jahr konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich mal Wimpel-Ketten nähe. Vorzugsweise nähe ich nützliche oder praktische Dinge. Inzwischen habe ich herausgefunden, dass Wimpelketten nicht nur dekorativ, sondern auch nützlich sein können (Auflösung weiter unten im Text)


Meine Erfahrungen, Tipps und Tricks folgen hier:

Materialauswahl
Aufder Suche nach einem Nähprojekt für Kinder freundete ich mich mit Wimpelketten an. Für unser Projekt konnten wir Second-Hand-Textilien nutzen. Ausgewählt habe ich Materialien, die ich ansonsten nur selten vernähe: Polyesterbettwäsche, Polyestergardinen und Mischgewebehemden. Diese synthetischen Materialien haben im Vergleich zu Naturfasern (Baumwolle, Leinen) den Vorteil, dass sie schneller trocknen und nicht so schnell ausbleichen. Wenn die Wimpelketten den Innenbereich schmücken sollen bietet es sich an, Baumwoll-Stoffreste zu verwenden.

Schnitt und Größe der Wimpel, Fähnchen nähen … bügeln wenden …
Für die Größe der einzelnen Wimpel orientierte ich mich an einem A5-Blatt. Meine Wimpelschablone ist 21 cm hoch. Für einen Zuschnitt mit wenig Verschnitt sollte der Winkel des Wimpels 45 Grad messen. Dann sind ineinander geschachtelte Zuschnitte möglich, sofern es das Stoffmuster zulässt. 

45 Grad ist korrekt
Erfahrene Nähtüftler können auch gleich streifenweise nähen und zwischen den Nähten schneiden. Diese Methode hat den Vorteil, dass es sich leichter näht. Weshalb? Durch den Schnitt im Winkel entsteht eine Schnittkante im Schrägschnitt, die leicht elastisch ist und sich ziehen oder weg drehen kann.


Auf meinem Nähtisch ergab es sich, dass ich pragmatisch ein zugeschnittenes Wimpel-Element rechts auf rechts zur Anprobe auf andere gepatchte Stoffreste gelegt habe. Wenn das Gegenstück groß genug war habe ich direkt um das zugeschnittene Wimpelelement genäht und später die 2. Lage passend abgeschnitten. Das ist übrigens ein Ablauf, bei dem auch Kinder helfen können.


Genäht wird natürlich hintereinander weg als Fähnchen: ein Wimpel nach dem anderen mit 1 oder 2 Stichen zwischen den Nähteilen. Für eine Wimpelkette gehört sich das nach meiner Ansicht so, da brauche ich keinen Fadenabschneider. Geschnitten wird später, da kann man auch gleich die Spitze etwas frei schneiden damit sich die Nahtzugabe nach dem Wenden in der Spitze weniger staut oder knubbelt. Beim Freischneiden der Spitze bitte darauf achten, dass der Faden der Naht nicht angeschnitten wird.


Vor dem Wenden bügle ich die Wimpel weil sich dadurch die Naht entspannt. Direkt im Anschluss habe ich die Wimpel gewendet. Es empfiehlt sich, bei den gewendeten Teilen die Nähte anzubügeln und  erst danach die Wimpel flach zu bügeln. So kann ein Stapel wachsen mit Vorfreude auf die Wimpelkette. Vorfreude ist schön und nähen macht Spaß. Deshalb haben meine Wimpel eine zusätzliche Naht von außen über die Nahtzugaben bekommen. An der Spitze drehe ich mit der Nadel im Wimpel steckend. Eine spitze Stopfnadel stecke ich in die Spitze und helfe meiner Maschine über die Spitze, die vom Transport nur auf kleiner Fläche geführt werden kann. Ich nähe gerne solide. 


Diese zusätzliche Naht fixiert die Nahtzugaben im Inneren. Wer mal eine Wimpelkette im Wind beobachtet wird feststellen, dass Wind eine starke Naturgewalt ist, die so einem kleinen Stöffchen  zusetzen kann. Die zusätzliche Absteppnaht hält den Wimpel in Form.
Bevor es weiter geht habe ich die Wimpel oben begradigt.


Wie lang soll die Wimpelkette werden und wie viele Wimpel benötige ich dafür?

Das ist bei all der Freude am Nähen und Stoffreste aufräumen eine Frage, die man nicht ewig vor sich her schieben kann. Die offenkantige Seite meiner Wimpel ist  17 cm lang. Zwischen den Wimpeln lasse ich einen kleinen Abstand (3 cm). Diese beiden Maße ergeben einen Wert, mit dem sich Wimpelkettenlängen planen lassen. Es ist ein Richtwert. Falls ein Wimpel mehr oder weniger auf Euer vorbereitetes Kettenband passt wird die Welt nicht unter gehen. Aus Stoffresten könnte man nachträglich auch mal als Abschluss einen Babywimpel ergänzen. Solche individuellen Anpassungen finde ich originell. Auch gleich am Anfang und Ende könnte man aus kleineren Stoffstücken größengestaffelt Wimpel platzieren.


Wie hänge ich die Wimpelkette später auf?

Ein paar Reststreifen meines Wimpelstoffes von ca. 25…30 cm Länge und ca. 5 cm Breite habe ich gebügelt, so dass kleine einlegbare Schlaufen entstehen, die man irgendwo einhängen kann. Alternativ kann durch die Schlaufe auch eine zusätzliche Bindebefestigung angebracht werden wenn z.B. ein Baum als Stütze verwendet wird. 


Fertiges Webband ist als Schlaufenmaterial auch gut geeignet.

Die Wimpelkette wird genäht …

Anfangs hatte ich berichtet, dass wir Bettwäsche als Material verwendet haben. Von den Bettbezügen seitlich Streifen abgeschnitten, das waren schon mal jeweils 4 Meter, ein gutes Maß für eine Wimpelkette. Wenn man Glück hat ist die Naht gekettelt und man kann sie ganz leicht aufdröseln wie eine gehäkelte Kette. Durch Anschnitte mit dem Nahtauftrenner findet man leicht die richtige Seite. Noch mehr Glück hat man, wenn die Seiten der Bettwäsche mit Webkanten enden. Webkanten fransen nicht aus, da spart man sich an dieser Kante das Versäubern oder einschlagen. 
Oft wird ein fertiges Schrägband verwendet, um die Wimpel dazwischen einzulegen. Das ist natürlich auch möglich.

Meine Technik zum Komplettieren = Fertig nähen habe ich von den Patchworkern abgeschaut. Ich verwende einen Streifen in der gewünschten Länge. Breite des Streifens ist 6 cm bzw. 6,5 cm. Natürlich kann man den Streifen auch aneinander stückeln. Auch hier sind die Tricks der Patchworker nützlich: Ein Aneinandernähen mit 45-Grad-Winkel verteilt die Nahtzugabe beim Nähen.


Jetzt geht’s los … gleich nach dem Bügeln des Streifens (Kettenband): links auf links ergibt sich ein 3 cm breiter doppellagiger Streifen mit Bügelkante, die ist für uns wichtig weil sie nicht ausfransen wird. Die kurzen Seiten sind eingeschlagen bzw. versäubert.


Den gebügelten Streifen positioniere ich nähbereit unter dem Nähfuß, die Schnittkanten zeigen zum Nähmaschinenkörper. Bei ca. 8...10 cm lege ich den ersten Wimpel schnittkantenbündig über das Kettenband. 

Ich nähe mit Geradstichen bis zum Ende des Wimpels. Eine Markierung auf der Nähmaschine berücksichtigt den Abstand zwischen den Wimpeln und zeigt mir, wo der nächste Wimpel angenäht wird. Beim Nähen entscheide ich über die Nachbarschaft der Farben und Muster. Falls jemand kleine Assistenten zur Stelle hat können diese solche Entscheidungen übernehmen. Am Ende lasse ich synchron zum Beginn Abstand. Die Länge der Kette kann ich immer noch anpassen.


Und jetzt? Erst mal wieder bügeln: zuerst über die Naht und anschließend die Bügelfalz des langen Bandes nach oben. Die Zwischenräume folgen der vorgegebenen Richtung.


Zurück an die Nähmaschine: nun benötigen wir die vorbereiteten Laschen. Diese gehören an Anfang und Ende des Kettenbandes. Ich schiebe 2 Enden einer Lasche mit ca. 5 cm Überlappung unter die Nahtzugabe und nähe mit Zickzack fest. Im Rückwärtsgang bewege ich mich zum Anfang des Kettenbandes. Abschließend wird die Bügelkante über die gesamte Länge über die offenkantigen Nahtzugaben abdeckend positioniert und fest genäht. 


Am Ende nicht vergessen: die 2. Lasche einlegen. Meine Laschen sind sehr fest fixiert, da ging mir Stabilität vor Schönheit.

Nützlich?

Anfangs hatte ich erwähnt, dass Wimpelketten nützlich sein können. Letztens hat mein Mann ein Partyzelt im Garten aufgebaut und mich nach Wimpelketten gefragt. Ich sollte damit die Spannseile zu den „Heringen“ dekorieren, damit niemand stolpert. Na wenn das nicht nützlich und praktisch ist …

Fazit

Ziemlich lang ist mein Erfahrungsbericht zum nähen von Wimpelketten geworden, ich hoffe die Fotos dazwischen können Euch eine Hilfe sein, wenn ihr auch Wimpelketten nähen wollt.
Ich nähe erst mal keine mehr, 2 x Bett- und Kissen-Bezüge ergaben ca. 180 Wimpel, dazu noch welche aus Resten vom Talentcampus. Wer mag kann ja ausrechnen, wie viele Meter Wimpelkette ich genäht habe (17 cm Wimpel + 3 cm Abstand = 20 cm Raster).
Gegen ein kleines Entgeld würde ich die Wimpelketten für regionale Feste ausleihen … aber ich hab auch keine Lust, mich darum zu kümmern und am Ende womöglich hinterher zu laufen. Meine Wimpelnäh-Aktion war eine Aufräume-Aktion. Die Poly-Stoffreste dürfen nämlich nicht zu meinen anderen Stoffen in den Schrank. Nun ist es erledigt, die Wimpelketten wohnen in einer Schachtel und ich überlege, in welchem Schrank Platz dafür ist … Unbestritten war es für die Polyesterbettwäsche eine enorme Aufwertung, ich frage mich sowieso, wer so was herstellt, kauft oder gar benutzt.

Falls Euch meine Erfahrungen hilfreich waren, dann meldet Euch doch in den Kommentaren. Gerne verlinke ich Eure Wimpelkette hier als Beispiel.

Weil ich Stoffreste verwendet habe verlinke ich meinen Beitrag bei der Kunzfrau in der Aktion „Restefest“.  September  Nach weiteren Ideen für Stoffreste schaue ich dort bei der Gelegenheit auch gleich. Sicher kann ich noch andere Stoffe „aufräumen“ und das macht ein gutes Gefühl. Außerdem verlinke ich mal wieder bei creadienstag #347.

Dienstag, 28. August 2018

Sichtbare Reparatur an einem Jersey-Shirt

Valomea hat eine Linkparty eröffnet, für die es hier immer mal "Stoff" gibt:

"Reparieren von 12 bis 12"

Es geht um Nachhaltigkeit und Ressourcen. Schon von Kindheit an begleiten mich Reparaturen von Textilien. Einst war es Notwendigkeit, Schäden an Kleidung zu beseitigen. Meine Mutter nannte es stopfen. Im Erzeugen von Webflächen über Löchern war sie sehr geübt. 
Inzwischen nennt man es Visible Mending = Sichtbare Reparatur.
Da mache ich gerne mit, wenn auch in einer anderen Technik.
 

Als Beispiel zeige ich die Reparatur eines Shirts meiner Schwägerin.


Leider kann man sich nicht aussuchen, wo schadhafte Löcher im Shirt entstehen, meistens vorne mittig. Wir haben eine Reverse-Technik verwendet, bei der eine leicht zu erzeugende grafische Kontur mit Textil-Farbe erzeugt wird. Die Kontur wird mit einer weiteren Textil-Lage hinterlegt umstickt und fixiert. Man nennt diese Technik Reverse-Applikation (hinterlegte Applikation). Das Muster hätte ich gerne an anderen Stellen des Shirts wiederholt, war aber nicht gewünscht.

Eine Erläuterung der Reparatur und ein paar Fotos folgen:
  1. mit Klebestreifen Muster-Aussparungen zur Kaschierung der Löcher erzeugen
  2. mit Textilfarbe oder Textilstift Aussparungen ausmalen.
    Eine Folie-Zwischenlage schützt die Rückseite des Shirts
  3. trocknen lassen und Klebestreifen abziehen
    Shirt auf links wenden, von hinten Farbe durch bügeln fixieren
  4. Einen Stoff oder Jersey in gewünschter Farbe mit Büroklebestift etwa 1 cm größer als die Farbmarkierung auf die Farbmarkierung kleben (4) Keine Angst, der Kleber verschwindet durch waschen.
  5.  Rückstiche oder andere elastische Zierstiche um die Farbmarkierungen sticken;
    auch die rückseitige Lage optisch ansprechend fixieren; anschließend zurückschneiden
  6. Mit einer Stickschere oder Nagelschere Bereiche innerhalb der Farbmarkierung dekorativ frei schneiden
    Die Stickstiche nicht zerschneiden, im Abstand von ca 5-7 mm zur Stickerei schneiden




Diese Technik eignet sich sehr gut zum Kaschieren von Löchern und Flecken.
Sie kann auch "alleine" zu dekorativen Zwecken benutzt werden.

weitere Beispiele für Reverse-Applikationen:

Talentcampus "Nadelzauber" 

Stoffspielerei mit modernem Kopfputz

Jeanshut mit Reverse-Applikation auf der Krempe

Reverse Applikation mit Metallicgarn in Steam-Punk-Art 

Jerseykleid mit Negativ-Applikation

Reverse-Applikation Blattmuster

Sammeltasse, Schmetterlinge und Reverse-Applique...

Motiv-Wandlung für Reverse-Applikation

Raglan-Top und Hose mit Reverse-Stickerei

Alabama Chanin: Eine Mütze


Meine liebste Loch-Reparatur zeige ich hier:  Loch und Löcher
Noch mehr Inspirationen zum Reparieren habe ich auf einer Pinnwand gefunden. 

Fazit:
Löcher in Textilien sind keine Ärgernisse, sondern kreative Herausforderungen.
Die Rettung oder sogar Aufwertung von einem geliebten Kleidungsstück kann glücklich machen.

Dienstag, 7. August 2018

Patchwork-Spontanausstellung in Thüringen

Letzten Samstag hatte ich mir schon lange frei gehalten. Wollte ich es mir doch nicht entgehen lassen, viele einmalige Patchwork-Werke und Quilts im Original zu bestaunen. 

Patchwork, Quilts & Dampfmaschinen

Besonderheit dieser Ausstellung ist, dass man auch eigene Patchwork-Nähereien an bereits gespannte Wäscheleinen hängen darf. Letztes Jahr gastierte diese Veranstaltung in Kloster Vessra. Wegen einer Familienfeier konnte ich leider nicht teilnehmen.
Besonders interessant ist bei solch einer Gelegenheit, dass man Gleichgesinnte treffen kann, die das Lieblings-Hobby teilen. Schon auf dem Parkplatz ahnte ich beim Ankommen eines Fahrzeuges mit KYF-Kennzeichen, wer gerade ankommt: Valomea. Unsere Blogs lesen und kommentieren wir schon sehr lange gegenseitig. Gemeinsam mit Wäschekörben voller Quilts unter dem Arm haben wir uns ein Plätzchen unter Schatten spendenden Bäumen gesucht und unsere Quilt-Decken an bereits gespannte Leinen geklammert.

Valomeas Quilt-Tischdecke filigran bestickt, Pilzgarten
Babyquilts: Streifentechniken, 123-Nadelei
Wenig später gesellten sich noch  Katrin, Petra und Viola zu uns. Auch auf ihren Blogs war ich schon lesen, da freute mich die persönliche Bekanntschaft und ein bisschen Erfahrungsaustausch um so mehr.




Es dauert, bis man eine Ahnung davon hat, wer welche Quilts an den Wäscheleinen auf dem gesamten Gelände genäht haben könnte. Nicht alle Quilts haben Beschriftungs-Informationen. Die zugehörigen Nadelwerker sind natürlich auch mal unterwegs und drehen ihre Runde zwischen den Wäscheleinen. Regina und die Flickenhexe aus dem Kreis der Veranstalter hatten selbst vielseitig gestaltete Quilts und Tops ausgestellt. An dieser Stelle bedanke ich mich für die durchdachte Organisation und freue mich, dass solch eine Veranstaltung am 03.08.2019 an gleicher Stelle wiederholt werden wird. Den Termin habe ich schon eingetragen.

Quilt mit Log-Cabin-Blöcken, Stickerei und Spitzen-Randgestaltung

Disappearing 4 Patch Blöcke mit Zwischenstreifen



Quilt aus Stoffen mit  Cyanotypie-Färbungen






Weitere Blog-Berichte mit Fotos zur Ausstellung habe ich hier gefunden:

Montag, 6. August 2018

Ferienwoche im Mittelalter

Das Familienzentrum Insel in Suhl bietet regelmäßig Freizeitprojekte für Kinder an. In den Sommerferien 2018 konnten die Kinder mal ins Mittelalter reisen. In einer Projektwoche stand jeder Tag unter einem anderen Motto und bereitete zielgerichtet den Höhepunkt am Freitag vor:

Montag: mittelalterliche Dekorationen fertigen, z. B. Wimpel
Dienstag: mittelalterliche Kostüme nähen bzw. Ritterrüstungen basteln
Mittwoch: Wettkämpfe
Donnerstag: Musik
Freitag: Mittelalter-Markt 


16 Kinder nahmen teil. 5 Mädels im Alter von etwa 10 Jahren benötigten mittelalterliche (Ver-)Kleidung. Hier war meine Unterstützung angefragt. Ursprünglich dachte ich an Verkleidung mit einer Auswahl von Second-Hand-Kleidung, die in dieser Einrichtung zur Verfügung steht. Allerdings konnte ich da noch nicht ahnen, wie gut es dieser Sommer mit uns meint. So habe ich spontan kurzfristig meinen Plan geändert:

Am Dienstag habe ich mich den kleinen Damen als ihre Putzmacherin vorgestellt, die ihre Kleider nähen und beim Einkleiden helfen wird. Fotos von einfachen Schnittmustern führten dazu, dass die Jungdesigner Gardinen und Organza aus dem Stoff-Fundus wählten. Glücklicherweise fügte es sich, dass alle Kleider in einer Größe genäht werden konnten. Die Kinder haben bei dem ganzen Prozess der Gestaltung, Materialauswahl, Stoffe ausbreiten, Schnitt aufmalen und zuschneiden sehr konzentriert und geduldig mit geholfen. So konnten wir es schaffen, am Dienstag von 9:00 bis 13:30 Uhr 5 Kleider zu nähen. Ein Stündchen Zeit blieb dann noch für Kopfbedeckungen, Gürtel und Anpassungen


Leider war dieser Projekttag viel zu schnell zu Ende. Gerne hätte ich mit den Kindern noch weitere mittelalterliche Accessoires genäht und ergänzt, besonders Sachen, bei denen sie intensiver hätten mitwirken können. Mit einem vorsortierten Fundus ausgewählter Second-Hand-Kleidung, die sich für Vermarktungszwecke kaum eignet ist Upcycling bzw. thematische ReFashion spannend wie ein Abenteuer.

Irgendwie ist die Zeit zum Nähen immer zu kurz … aber kurz und knapp sind unsere Kleider zweckmäßig gelungen. Das Beste ist, dass die Kinder luftige Stoffe gewählt haben, die man bei diesen nahezu tropischen Temperaturen überziehen kann. 
Leider habe ich vom Mittelaltermarkt am letzten Freitag keine Fotos. Schließt Eure Augen und stellt es Euch einfach vor … es war ganz toll.

Sonntag, 5. August 2018

Talentcampus 2018 - tierisch creativ in Suhl

Auch 2018 organisierte die Volkshochschule Suhl mit viel Engagement einen Talentcampus für Kinder aus Suhl und Umgebung. Das Projekt startete am 23.06.2018 mit einem Eltern-Informationstag im Heinrichser Rathaus. Workshops wurden vorgestellt und organisatorischen Informationen präsentiert.

Im Mittelpunkt dieser aktiven Ferien­gestaltung steht nicht nur das reine Freizeitvergnügen. Auch die kulturelle Bildung soll nicht zu kurz kommen. Unabhängig von der sozialen Herkunft soll jeder junge Mensch bestmögliche Bildungschancen erhalten. Mit dem Programm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung" fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung außerschulische Angebote der kulturellen Bildung. Gestärkt werden sollen Selbst­motivation, Leistungs- und Verantwortungsbereitschaft junger Menschen. Durch aktive Beschäftigung mit Kunst und Kul­tur erleben die jungen Menschen persönliche Wertschätzung.

Motto für die Ferienwoche vom 09. bis 13. Juli 2018  war

"tierisch-creativ im Sommer“

In Zusammenarbeit mit dem Suhler Tierpark  und der Dombergschule Suhl hatten Kinder vielfältige Angebote, selbst tierisch kreativ zu werden. Die Möglichkeiten unmittelbar im Tierpark waren grandios. Workshops mit breit gefächerten Themen standen zur Wahl.

Workshops

tierisch lecker Kochschule Löffelstiel
Ernährungsdetektive lernten mit Tierprodukten, Obst, Gemüse und Getreide richtig umzugehen, stellten Rezepte zusammen und bereiteten danach Gerichte zu.

Die bunte Welt der Schmetterlinge - Anja Zimmermann
Umweltdetektive erforschten den Lebensraum von Schmetterlingen und Insekten. So erfuhren Sie, was man von Insekten lernen kann.

Wo sich auch Hummeln gerne tummeln - Herrmann Oehring
Hier ging es um Pflanzen für einen naturnahmen Garten mit Düften, Farben und Formen. Kinder kreierten eine „Speise-Tafel" für Insekten – vom Anlegen einer Blumenduftstraße bis zum fertigen Hummelhotel

Geschichten formulieren & Geschichten malen für ein Buch
Imke Kurtz & Dietmar Hörnig & Angelika Beuger
Kinder brachten Erlebnisse mit Tieren als kleine Geschichten zu Papier:
mit Wörtern oder als gemalte Bilder. Aus den schönsten Geschichten und Zeichnungen entsteht ein kleines Kinderbuch.

tierische Apps - Daniel Göbel
In diesem Workshop entstand eine App für und über den Suhler Tierpark.

tierische Fotos – Frank Hausdörfer
Für Hobby- und Freizeitknipser standen viele Tier-Modelle zur Verfügung. Fotoshootings in Bereichen, die Besuchern nicht immer zugänglich sind und  Profi Tipps ließen beeindruckende Tierfotos entstehen.

tierisches Filmen Bildermacher Semi
Filmkameras begleiteten alle Workshops, Interviews wurden geführt. Am Ende der Woche staunten alle über die umfassend kurzen und knappen Einblicke, die die besten Momente als Film archivieren.

tierisches Nähen 123-Nadelei
Nähinteressierte Kinder lernten mit der Nähmaschine umzugehen. Sie nähten tierische  Handpuppen nach eigenen Entwürfen sowie Wimpelketten als Schmuck für den Tierpark.

Ziel jedes einzelnen Workshops war es, abschließend eine Präsentation der tierischen Kreationen zu zeigen. 

Einblicke in die Nähwerkstatt

Bereits zum 3. Mal durfte ich den Näh-Workshop vorbereiten und betreuen. Nach wie vor ist der Nähkurs sehr beliebt, einige Teilnehmer kenne ich aus vorangegangenen Kursen.




3 Nähprojekte mit flexiblem Gestaltungsspielraum habe ich vorbereitet, getestet und entsprechendes Material besorgt:

Unsere Nähwerkstatt war im Werk-Raum der Dombergschule Suhl untergebracht. Verschiedene Arbeitsbereiche im Raum konnten unsere Kursteilnehmer ständig nutzen:
  • Stoffdepot mit bunten Stoffen, Bettwäsche und Mischgewebe-Hemden
  • Zuschneidetische im Vorraum
  • 2 Tische mit 4 Nähmaschinen
  • Textilmalbereich im Nebenraum
  • Handnäh- und Beratungstisch(e) 

So gab es immer mehrere Möglichkeiten, um Nähprojekte zu gestalten und fertig zu stellen.
Besondere beliebt war der Bereich mit den elektrischen Nähmaschinen. Wartezeiten wurden genutzt, um sich gegenseitig zu inspirieren und zu helfen. Der Einsatz von Second-Hand-Textilien ermutigte zu Experimenten mit Textilfarben, Bastelfilz und Nähmaschinen. Bei der Auswahl von geeigneten Stoffen für Tier-Handpuppen besprachen wir die Eignung der Textilien, die Reihenfolge zur Gestaltung des Gesichtes und wie Ohren aussehen sollen. Alle Teilnehmer haben eine Handpuppe passend zur Größe ihrer Hand genäht und gestaltet, einige zusätzlich Fingerpuppen.



Da Wimpelketten zurzeit bei diversen Festen als Schmuck für draußen beliebt sind nähten wir Wimpel für den Tierpark. Solche Dreiecke sind gut geeignet, um etwas Besonderes zu gestalten. Warum nicht mal mit einem Tiergesicht oder Pizzastücke für das Tierpark-Bistro. Besonders phantasievoll sind Wimpel aus Textil-Farb-Experimenten ohne bestimmten Gestaltungsplan. Man muss der Phantasie und dem Pinsel auch mal freien Lauf lassen … 


Die Begeisterung zum Nähen der Wimpel hielt nicht bis Freitag an. Bereits Dienstagnachmittag wollten sie Kinder nur noch eines nähen … (* später mehr dazu).


Weshalb war die Wimpel-Näh-Euphorie relativ schnell zu Ende?
Nachträgliche Gedanken meinerseits mutmaßen folgendes:
  • Die Wimpel konnten nicht als genähte Stücke mit nach Hause genommen werden.
  • Die seitlichen Nähte am Schrägschnitt und das Wenden an der Spitze erfordern Geduld und etwas Näherfahrung.
  • Das Wenden ist leichter gedacht als getan, auch hier braucht es Geduld und Ausdauer
Das Komplettieren der Wimpel als Ketten konnte ich einer Kursteilnehmerin übertragen, die schon Wiederholungs-Erfahrung hatte. Sie nähte eigenständig, schaute gelegentlich, wo Hilfe erforderlich und was noch fertig zu stellen war.  

Fabrigami-Schmetterlinge fanden kaum Interesse. Grund hierfür ist sicher, dass es Zeit und Geduld benötigt, um solch ein Gebilde aus Stoff vorzubereiten und mit Handstichen räumlich zu fixieren. Zusammenfassend habe ich festgestellt, dass an Handnähen grundsätzlich wenig Interesse besteht. Das beginnt mit dem Einfädeln.



Die Woche insgesamt betrachtet war eine schöne Erfahrung für alle Kinder. Auch ich möchte diese gemeinsame Zeit nicht missen. Allerdings benötigt es viel Energie, Begeisterung und Enthusiasmus. Die Ziele der Workshops für eine Woche sind hoch gesteckt wenn man bedenkt, dass die zum Nähen verfügbare Zeit einer Talentcampus-Woche kürzer ist als man im Vorfeld vor Augen hat.
Montags starteten alle Gruppen mit einem Rundgang im Tierpark. Organisatorische Belange sind auch wichtig und benötigen Zeit. Nach dem Mittagessen trafen wir uns im Nähbereich. Noch ehe wir uns alle gegenseitig bekannt gemacht hatten schaute schon das MDR-Fernsehen rein um zu filmen, was bei uns so genäht wird. Der Mittwoch war vormittags für einen Ausflug ins Meininger Theater reserviert. Wir durften im Kostümfundus stöbern und hinter die Kulissen schauen. Zur Präsentation der Handpuppen bekamen wir nützliche Tipps.


Am Freitag dreht sich alles um die Abschluss-Präsentation, mittags sollen die in der Schule genutzten Räume geräumt sein. Deshalb blieb am Freitag kaum Nähzeit übrig. Diese letzte Zeit haben wir genutzt, um individuelle Näh-Pläne zu besprechen und kleine Nähprojekte zu probieren. Es entstanden Handyhüllen, Taschen und * Kissen, Kissen, Kissen. Letzteres ist es, das die Kinder wirklich nähen möchten. Um beim diesjährigen Thema zu bleiben könnte man Tiergesichter drauf gestalten … 

Zur Präsentation unserer Handpuppen im Rahmen der Abschlussveranstaltung nutzten wir ein LKW-Planen-Gestell und verkleideten es provisorisch. Viel einstudiert haben wir nicht, so eine erlebnisreiche Woche ist kurz! Spontan improvisierte Bewegungen der Puppen in wechselnder Besetzung zu rhythmischer Musik brachte interessierten Zuschauern und Puppenspielern gute Laune. So hatten wir noch mal Spaß und verabschiedeten uns in die Ferien.

Fazit:

Die Ziele unseres Workshops „tierisch nähen“ haben wir erfüllt:

  • Individuell gestaltete tierische Handpuppen konnten am Abschlusstag mit Musik ein kleines Puppen-Tanztheater präsentieren.
  • Mehrere Meter Wimpelkette sind entstanden und stehen dem Tierpark als Deko-Elemente zukünftig zur Verfügung.

Das eigentliche Werkeln in der Nähwerkstatt bewegt sich zwischen Geduldsübungen und Zeitdruck im Hinterkopf bei dem Gedanken an die Ziele zur Abschlusspräsentation. Einerseits sind Ziele und ein finaler Termin als Richtlinie wichtig. Andererseits führt dieser Termindruck auch dazu, dass das Erlernen von Nähfertigkeiten für die Kinder im Rahmen dieser Woche nur oberflächlich bleiben kann. Im Näh-Workshop waren 10 Kinder betreut durch Workshopleiter und einen Helfer (für Lehrer sicher eine paradiesische Vorstellung). Allerdings soll meiner Ansicht nach so ein Workshop auch nicht wie Unterricht ablaufen, sondern mehr Freiräume ermöglichen, die angeregt werden und auch begleitet werden sollten. Nähen ist ein komplexer Prozess mit dem Zusammenspiel von technischer Ausstattung, Materialien, Hilfsmitteln und erfordert obendrein vorausschauendes räumliches Vorstellungsvermögen. Praktische Erfahrungen sind hier unverzichtbar. Nähen ist eine handwerkliche Tätigkeit, die erst nach Übung und Training gleichmäßig und vorzeigbar gelingt
Wenn die Kinder im Einzelnen ihr Projekt realisieren treten zwangsläufig Fragen und Probleme auf, die ab einem bestimmten Punkt immer weiter auseinander laufen und sich nicht mehr gebündelt beantworten lassen. Hier ist dann die Geduld der Kinder gefragt, denn sie müssen warten, bis Rat und Hilfe naht. Deshalb ist es notwendig, dass der Helfer die Nähprojekte im Vorfeld kennen lernt. Es ist wichtig, die einzelnen Näh-Problemstellen mit den Kindern zu überwinden. Allmählich kommt es dann dazu, dass einzelne Kinder ausgewählte kleine Prozesse beherrschen und sich gegenseitig helfen. Das beginnt nach meinen Erfahrungen am Ende der Projekt-Woche. Die gegenseitige Hilfe der Kinder untereinander ist es, was ich anstrebe, denn das, was Kinder erklären können haben sie auch verstanden. Darauf lässt sich aufbauen. 

Beim Einfädeln helfe ich Dir ...
Es entstehen Kompetenzen mit denen sich die Kinder im Alltag auch mal selbst helfen können, wenn ein Knopf abgefallen ist oder eine Naht an einem Lieblings-Kleidungsstück auszubessern ist.
Eine wichtige Stütze im Kurs mit Kindern ist meine Workshop-Helferin. Die Kontrolle von Anwesenheit und besonders kurzzeitigen Abwesenheiten ist eine wichtige Aufgabe, bei er ich mich auf sie verlassen kann. So kann ich mich ohne Ablenkung den Workshop-Inhalten widmen. Natürlich hilft sie auch bei den Nähprojekten. Nachmittags ist es mitunter auch ratsam, einen Teil der Gruppe im Wechsel auf den Spielplatz zum Austoben zu begleiten. Wie beim Autofahren braucht es zwischendurch mal etwas Bewegung, dann geht alles gleich konzentrierter und leichter von der Hand. 

Das Größte für mich ist immer, die Fortschritte der einzelnen Kinder im Laufe der Woche zu verfolgen. Einzelne Talente legen ganz beachtlich los, das wirkt ansteckend.

Ach so machst Du das ...

Freude am Schauen und Begreifen
ist die schönste Gabe der Natur.

Albert Einstein