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Sonntag, 28. Mai 2023

Stoffspielerei als Reparatur - Hosentaschen

Sabine hat als Thema für diesen Monat

stopfen - reparieren - ändern

ausgewählt und versammelt Beiträge dazu auf ihrem Blog PeterSilie & Co. Bereits in der Ankündigung des Themas fragt sie, ob diese Tätigkeiten überhaupt noch zeitgemäß sind.

Wahrscheinlich ist das individuell unterschiedlich. Obwohl ich gerne und relativ häufig nähe mag ich Nähreparaturen nicht so gerne -  besonders für Dritte. Reparaturen und Änderungen hier im Haushalt gehen zeitnahe klar. Am besten funktioniert es, wenn ich es mir als eine Herausforderung stelle wie beispielsweise visible Mending.

Letztens hatte ein Schwager angefragt, ob ich die Innentaschen seiner Jeanshose reparieren könnte. Sicher kennen viele, die hier lesen solche Situationen. Mein (nicht ganz ernst gemeinter) Vorschlag, die Taschen zuzunähen wurde leider abgelehnt.

Um den Text abzukürzen:
die Hoseninnentasche habe ich repariert, besser gesagt ersetzt.
Schrittweise bebildert zeige ich nun, wie ich vorgegangen bin.

Der verschlissene Zustand zeigt, dass hier radikal Ersatz nötig ist. Bei diesem Anblick drängt sich der Gedanke auf, dass vom Hersteller kalkuliert ein schnell verschleißender Stoff für die Innentaschen verwendet wurde, eine Sollbruchstelle, die nicht so leicht zu reparieren ist. Für eine perfekte Reparatur müsste man nahezu die komplette Hose zerlegen ...


Die Fetzen der Originalinnentaschen habe ich heraus geschnitten


Ein robustes Material aus dem Bestand (Popeline-Mischgewebe) dienst als Material für 2 Ersatzteile. Der Bogen ist von der Hose abgenommen. Zuzüglich Nahtzugaben sind die neuen Teile ringsum versäubern.


Wie nachfolgend abgebildet nähe ich zunächst den Bogen von Hand mit Rückstichen an die Hose (unsichtbar von außen). Von außen nähe ich mit der Nähmaschine noch 2 x Ton in Ton getarnt darüber.


Als nächstes befestige ich das andere Ende der Ersatzteile hinter der Eingriff-Taschen-Lasche. Ich verwende einen Wellenstich hin und wieder zurück (vgl. übernächstes Foto)



Nun können die Seiten der neuen Innentaschen geschlossen werden - soweit es mit der Nähmaschine erreichbar ist. Für bessere Haltbarkeit sind ein paar Verriegelungsstiche in der Naht, intuitiv an Belastungsstellen eingefügt.



Zum Ende nähe ich noch oben am Bund und seitlich runter Ton in Ton zur Fixierung und zum vollständigen schließen der Innentaschen an der Seite. Leider gibt es davon kein Foto und auch nicht von der fertig reparierten Hose. Offensichtlich war ich froh, als sie das Nähzimmer wieder verlassen hatte. So etwas habe ich nicht gerne liegen. Es blockiert meinen Enthusiasmus für kreative Projekte. Schlussendlich bin ich froh, mich dieser Herausforderung gestellt zu haben. Vielleicht sind sie für Leser nützlich bei ähnlichen Reparaturen. Die neuen Innentaschen sind belastbar robust und werden vielleicht länger halten als die Hose drum herum.

Dem Schwager habe ich diese Reparatur so veranschaulicht: Es ist, als müsste man bei einem bestehenden Haus den Keller ersetzten.     

Manchmal ist der Aufwand für eine Reparatur grenzwertig. Bei Eigenbedarf habe ich nichts zu verlieren falls es nicht gelingt. Auch kann ich gestaltende Entscheidungen selbst beeinflussen. Ich kenne und wertschätze den Aufwand. Mit einer sichtbaren Reparatur kann es sogar Spaß machen. Solche Beispiele habe ich schon öfters gezeigt. Weitere Reparaturen sind rechts verschlagwortet.

Nun bin ich gespannt auf die anderen Beiträge, und freue mich aufs Lesen im Laufe des Tages.

Die Stoffspielerei-Termine 2023:

(Die alten Beiträge der vergangenen Jahre findet man übrigens unter https://stoffspielereien.net/)

Die Stoffspielereien

Bist du auch eine Stoffspielerin?

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfekt-Sein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Machst du nächstes Mal mit? 

Sonntag, 30. Januar 2022

Stoffspielerei zum Thema Linie

2022 eröffnen die Stoffspielereien mit dem Thema

Linie

Vorab gab es hier eine Orientierung zum Thema. Es ist allgegenwärtig. Beiträge der Mitspielerinnen versammeln sich gleich vorne weg:

  • Tyche bildet mit einem Touch japanischer Gartengestaltung und Zwillingsnadel einen Zen-Steingarten auf Jersey ab
  • Martina von Machwerk gestaltet einen Kleiderrock mit aufgenähten farbigen Fäden
  • Ines von Nähzimmerplaudereien experimentiert mit Stoffstreifen in 3D und zeigt Quiltmuster in Formation und im Kreis
  • Clara von bimbambuki fügt (stickt) viele Fadenlinien zu geometrischen Flächen aneinander und gestaltet ein Stickbild moderner Art
  • Karen von feuerwerkbykaze zeigt uns Linienvielfalt in den typisch durchbrochenen Sashiko-Stickmustern, in Quiltlinien und Fadengrafik
  • PeterSilie&Co bestickt ein Mustertuch mit verschiedenen Linien-Stickstichen und verwandelt es in einen kleinen Beutel
  • Christiane von schnittfuerschnitt verwandelt einen gefärbten Stoff durch dekorativ plazierte Quiltlinien in ein Wandbild
  • Mirella von Mirellchen näht eine Market-Bag mit Streifenmuster und parallel abgesteppten Linien
  • Gabriele von langer-faden probiert Linien von Hand und mit der Maschine genäht. Die Erfahrungen nutzt sie für ein Upcycling-Jeans-Taschenprojekt
  • Gabi von made with Blümchen lässt sich von der Trickfilmserie „La Linea“ inspirieren und testet die Stiche ihrer neuen Nähmaschine
  • Kerstin von Stoffnotizen gestaltet Bogen-Linien in Sashiko-Technik und vergleicht Garn und Nadeln
  • siebensachen-zum-selbermachen nutzt einen speziellen Nähfuß, um mehrfarbiges Garn auf Stoff zu applizieren: erst gerade, dann im Bogen bis eine Schnecke entstand für eine kleine runde Tasche
  • Elvira von zwisch-en-durch fügt Stoffreste zu langen Linien zusammen um sie in Patchworkblöcke zu integrieren. Es soll ein Birkenwäldchen werden.
  • Regina zeigt Patchwork-Gestaltungen der Patchworkgruppe QuilThuer zum Thema Linie.

Die mögliche Vielfalt zur Gestaltung des Themas ist bei mir mit fortschreitender Zeit ehrlich gesagt etwas geschrumpft. Manchmal wäge ich auch ab zwischen dem was möglich wäre und dem was ich gebrauchen könnte. Letztendlich kam mir die Idee, die Stich-Vielfalt vorhandener Nähmaschinen pragmatisch sichtbar einzusetzen, ein bisschen so wie Stickmustertücher vor langer Zeit. Es entstanden ein paar Nadelbücher passend zu Veritas Nähmaschinen:

Linien mit Nutzstichen und Zierstichen 


Verwendet habe ich als Oberfaden dickes Baumwollgarn NM 70 bzw. NM 50 so wie vorrätig. Als Untergrund dient ein leicht kariert gemusterter Jeansstoff rückseitig mit Rondofix bügelverstärkt wie abgebildet. 


Die verfügbaren Stichvarianten sind in der Reihenfolge des Programmschalters als Linien auf den Untergrund genäht.

Die Veritas 8014 / 39 hat 2 Programmwalzen unter dem Deckel. Eine ist für die blau gedruckten Nutzstiche und die andere für die gelb gedruckten Zierstiche. Alle Stiche können mit verstellbarer Stichlänge genäht werden.

 

Oben auf dem Deckel der Maschine befindet sich ein Umschalter: Nutzstiche <-> Zierstiche (gelb <-> blau) 


Eine Veritas 8014 / 4500 
Columba hat auch 2 Programmwalzen unter dem Deckel. Im Vergleich zur 8014/39 hat sie mehr Stichvielfalt durch eine Auswahl an Stretchstichen. Dabei krebst der Stofftransport dann vor und zurück (Stretchstiche sind ohne variable Stichlänge).



Gritzner Tipmatic 6152: Aus Stoffresten und Jeans-Bundstücken entstand ein Reißverschluss-Täschchen. Die Nahtzugaben sind dekorativ mit ausgewählten Zierstichen fixiert. Linien können raffiniert dekorativ sein.


Ich finde es nützlich, die Stichoptionen der genutzten Nähmaschine mal in Aktion getestet zu haben auch wenn sich das Stichbild mit anderen Materialien und dünnerem Garn verändern wird. Im Nähalltag nutze ich meistens Geradstich, Zick-Zack und gelegentlich den Wellenzierstich.

Wie ist es bei Euch?
War Euch die Stichvielfalt bei Anschaffung der Nähmaschine wichtig?
Welche Stiche nutzt ihr in der Praxis tatsächlich?

Zum Kennenlernen meiner elektronischen Nähmaschine Brother Innovis hatte ich vor längerer Zeit ein mit Bügelvlies verstärktes Probestück mit Zierstichen benäht, näheres dazu hier. Die Zierstichstreifen sind ergänzend durch gerade farbige Stepp-Linien. Eine Spielerei, die Spass gemacht hat. Ein Stück ist übrig. Es würde gerahmt auch dekorativ im Nähzimmer wirken.


Pfaff expression 720: Eine Kursteinehmerin hat für Ihr Ideenbuch einen Umschlag genäht, dekorativ gestaltet mit Zierstichen ihrer neuen Nähmaschine. Diese Idee gefällt mir und steckt auch ein bisschen in meinen Nadelbüchlein.



Die Stoffspielereien

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Die nächsten Termine:
27.02.2022: „Inspiration Typographie“ bei Feuerwerk by KaZe
27.03.2022: „Cording“ bei Machwerke
24.04.2022: „metallisch“ bei zwisch-en-durch
29.05.2022: „gekräuselt und gerafft“ bei Stoffnotizen
26.06.2022: „Portrait“ bei Bimbambuki
Juli und August: Sommerpause
25.09.2022: „Webkanten“ bei Siebensachen zum Selbermachen
30.10.2022: „Posamente“ bei made with Blümchen
27.11.2022: „Ornament“ bei Petersilie & Co
Dezember: Winterpause

Sonntag, 28. Mai 2017

Stoffspielerei mit Denim ... Forever Blue Jeans

Martina von Machwerk sammelt heute Stoffspielereien bei denen Denim die Hauptrolle spielt". Das Thema begegnet mir oft, auf Pinterest sammle ich Ideen und Anregungen zur Verwandlung von blauen Jeans.

Jeans mag ich, Vielleicht kommt es daher weil in meiner Jugend echte Jeanshosen für mich unerreichbar waren. Im Arbeiter- und Bauernststaat DDR gab es nur chinesische Denim-Hosen, die genau betrachtet mit Lewis oder Wrangler keine Gemeinsamkeiten hatten. Der Song "Forever In Blue Jeans" erinnert mich an diese Zeit und die Sehnsüchte.
Inzwischen gibt es Jeanskleidung in Massen und unendlicher Vielfalt. Die Vielfalt ist sicher ein Grund für die Beliebtheit über einen langen Zeitraum als Arbeitsbekleidung bis auf den Laufsteg.

Mit erwachendem Umweltbewusstsein wird Denim gerne für Upcycling und Refashion genutzt. 2014 machte Pharrell Williams mit seiner Denim-Linie aus Plastikmüll auf die Umweltauswirkungen durch Plastik aufmerksam.

Praktisch gibt es Jeans-Upcycling-Potential in fast jedem Haushalt, immer wieder höre ich, dass Jeanshosen zum Upcyceln aufbewahrt werden. Das ist mit Elastan-Anteil mitunter eine handwerkliche Herausforderung.

Jeanshosen, die über die Kleidertonne aus der Wiedervermarktungskette aussortiert werden landen übrigens in einem Reißwolf und werden mit Klebstoffen zu Autoverkleidungen verpresst:

Video Der Altkleiderirrsinn - Entsorgung statt Spende

Die sinnvollste Lösung zur Wiederverwendung von Denim ist sicher, die Jeans selbst zu verwandeln und vielleicht sogar Erinnerungen zu bewahren. Meine Schachtel für Denims ist prall zum überlaufen gefüllt, höchste Zeit ein paar Stücke daraus zu befreien. Wie man erkennen kann trenne ich viel auf und vermeide das Wegschneiden von Nähten. Die dunkleren Bereiche mag ich gerne, besonders in Nachbarschaft mit Gebrauchsspuren.


Pinnwand

Für unseren Abstellraum habe ich eine Korkpinnwand mit Jeanshosenstücken verkleidet. Mein Ehrgeiz war es, kleinere Teile von gekürzten Hosen und Hosensatteln zu verwenden. Eine Fläche mit vielen Blautönen sowie den typischen Abnutzungsstellen sollte es werden. Pocket-Taschen sind vor dem antackern aufgenäht für Stifte ...
Die Pinnwand habe ich auch schon für Marketingaktionen in Sachen Näh-Upcycling verwendet, z.B. letztes Jahr mit einem Stand für Nähkurse auf dem Marktplatz Suhl.

Mein Sohn hat sich auch eine Pinnwand gewünscht. Hier habe ich Einstecktaschen funktional integriert.


Taschen

Die Robustheit des Materials Denim ist für Taschen sehr gut geeignet. Als Weiterführung meiner letzten Stoffspielerei mit Chenille lag es nahe, solche Flächen mit Denim zu erzeugen. Verschiedene Stoffmanipulationen habe ich kleinflächig ausprobiert. Einerseits finde ich spannend, wie sich neue Biesen und Kanten jeanstypisch im Used-Look weiter verändern werden.


Aber auch offene Kanten finde ich reizvoll. Aus den Erfahrungen mit Chenille lag es nahe, die offenen Kanten im Schrägschnitt aufzuschneiden. Eine solche Fläche ist funktionales Element als umlaufende Tasche auf einer Umhängetasche.


Ösen werde ich noch anbringen, da überwinde ich mich gerade zum Einbringen der Löcher. Leider habe ich nicht so eine tolle Kniehebelpresse wie Martina.



Basecap

Für eine Kopfbedeckung aus kleinen Stücken haben mich Upcyclings von Ikatch inspiriert. Kleine Stoffstücke habe ich im Schrägschnitt zugeschnitten. Eine aufgetrennten Kappe als Schnittmuster ist Basis für die Zuschnitte. Diese sind überlappend Reihe für Reihe mit den Denim-Stückchen bedeckt, fest genäht und mit 3-fach-Stichen umlaufend abgesteppt. Das Schweißband innen samt Größenclip ist von der Vorlagenkappe verwendet.



Inzwischen ist die Mütze schon mal gewaschen, das Ausplüschen der Kanten gefällt mir gut, nur aus den Stoffecken sind die Fasern gerieselt, das war vorauszusehen.


Die Basecap werden wir in den Sommerferien als Accessoire in einem Theaterstück im Rahmen des Talentcampus verwenden.

Upcycling Jeans & Denim

Das Verwandeln von Jeanshosen macht Spaß, allerdings ist es anstrengender und flusiger als beispielsweise Patchwork oder Jersey-Kleidung nähen. Inmitten solcher Näherei hatte ich mitunter dringend das Bedürfnis für eine Pause. Ein paar Experimente liegen noch hier und warten auf Ihre Bestimmung. So eine Fläche könnte auch Tasche auf einer Jacke werden.


Jeans-Upcycling gab es auch in der Vergangenheit hier schon öfters:
Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat werden die Links mit den neuen Werken zwecks Erfahrungsaustausch gesammelt. 

Die weiteren Termine der Stoffspielerei:
25.06.2017: schwarz & weiß“ (Lucy –
Nahtzugabe)
Juli/August 2017: Sommerpause

24.09.2017: Von der Natur inspiriert“ ( Siebensachen )
27.10.2017: 
 „Fäden auf Farbe“ (Ute -  123-Nadelei) 

Montag, 27. März 2017

Stoffspielerei mit Shibori-Falten

Karen von Feuerwerk by KaZe sammelt heute Stoffspielereien zum Thema „Shibori". So kurz vor Ostern hat Färben Tradition. Allerdings geht es hier um Textilien.


Früher habe ich mich nicht getraut, zu färben und war verunsichert, ob die Farbe hält und womöglich beim waschen auf andere Textilien abfärbt. Durch den Umgang mit gebrauchten Textilien bin ich mutiger geworden, habe meine Färbeexperimente ausgedehnt und mag diese Verwandlung inzwischen sehr gerne. 

Vor dem Färben weiche ich die zu färbenden Textilien über Nacht in Sodalauge, das soll bei der Farbaufnahme helfen/intensivieren.

Es gibt eine unendliche Anzahl von Möglichkeiten, wie man Stoff vor dem Färben anbinden, sticken, falten, verdrehen oder komprimieren kann. Ich improvisiere gerne mit Kumo shibori und falte die sodafeuchten Stoffstücke erst in eine und dann in die andere Richtung. Zum Abbinden benutze ich einen Altbestand von Plastik-Geschenkband (weil es keine Farbe aufnimmt und weil es verbraucht werden soll). Gummis funktionieren auch sehr gut.

Heute habe ich eine 80er Jeanshose gefaltet und gebunden. Meine Falten sind nicht so exakt wie beim klassischen Shibori. Wahrscheinlich trenne ich die Hose nach dem Färben auf und verwende die Teile für Rucksackbodenflächen. Es ist in Ordnung, wenn das Färbemuster ungleich und lebendig wird. Wir werden sehen.

 
 
Als Dreieck falte ich eine Gardine, bei der ich über die Materialzusammensetzung unsicher bin. Ich hatte mal eine, bei der die Stickerei aus Baumwollfasern war. Solche Textilien sind interessante Zutaten beim Nähen. Auch hier bleibt es spannend.
 

 
 
Ein Stück hellblaues Bettlaken belege ich mit Spitzendeckchen, klappe eine Lage über und falte die Deckchen mit ein. Ich hoffe, ein paar Musterbereiche werden sich in den dunklen Bereichen abzeichnen.
 
 
Verschnürt wie Geschenke sind die Päckchen bereit zum Färben. Bewährt hat sich bei mir ein großer Topf, zu dem ein Deckel mit Loch für ein Einkochthermometer gehört.
 
 
Gerne färbe ich mehrere Farben einer Farbpalette. Heute beginne ich mit Simplicol marineblau und stelle die Stoff-Päckchen in das vorbereitete Färbebad. Die ersten eingetauchten Stücke entziehen am intensivsten Farbe. So entsteht beim späteren Drehen der Päckchen schon eine Farbabstufung. In einer 2. Etappe nehme ich ausgewählte Päckchen raus und gebe vorsichtig etwas dunkelblaue Textilfarbe dazu (Spritzen vermeiden). Auch die Komponenten gebe ich grob anteilig dazu. Ich lasse alles etwas vor sich hin köcheln, mache ich inzwischen nach Gefühl. Die Päckchen lassen sich gut heraus fischen und kommen bei 40 Grad in die Waschmaschine. Ins Spülfach gebe ich Farbfixierer.
 
 
Für mich ist es immer wieder spannend, wenn ich abwarten muss, bis der Waschgang beendet ist. Dann schauen wir doch mal nach:
 
Am blauen Stück mit den Deckchen erkennt man die beiden blauen Färbetöne neben den Abbindestreifen. Ausgebreitet ist das Stück ganz oben sichtbar. Ein paar Abdrücke haben die Deckchen hinterlassen. Ich werde damit Patchworken.
 
 
 
Ein Spitzendeckchen hatte ich auch gefaltet, vielleicht findet es als geteilte Applikation mal einen Platz. Die zum dreieckigen Päckchen gefaltete Gardine ist leider ganz aus synthetischen Materialien. Färben bringt es an den Tag. Leicht hellblau ist die geworden.
 

 
Die Hose gefällt mir gut. Leider ist es ein 80er Schnitt bei dem ich immer an Möhren denke. Ich werde sie auftrennen. Hier
 

 
Mitgefärbt habe ich ein altes gelbes Shirt von mir, das über die Jahre immer mehr gelb geworden ist. Nun stimmt der Druck: Blue Cotton. Mit dem Aufdruck und der Überfärbung lässt sich was draus machen in einer kleineren Größe.
 
 
Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat werden die Links mit den neuen Werken zwecks Erfahrungsaustausch gesammelt.
 
Die weiteren Termine der Stoffspielerei:
30.04.2017: „Seltene Techniken“ (Suschna – Textile Geschichten)
28.05.2017:  Thema noch offen (Griselda – Machwerk)
25.06.2017: Thema noch offen (Lucy – Nahtzugabe)
Juli/August 2017: Sommerpause
27.10.2017: 
 „Fäden auf Farbe“ (Ute -  123-Nadelei

Sonntag, 26. Februar 2017

Jeanshut mit Reverse-Applikation auf der Krempe

Schon lange wollte ich mir einen Hut im Stil der 80er Jahre nähen, um zu probieren, ob ich so etwas tragen würde. In einem Bastelbuch ISBN 3-332-01075-1, Seite 349 fand ich ein Schnittmuster. Nähen ging relativ schnell, so sieht er aus:
 

Die Schnittteile sind übersichtlich und werden je 2 x benötigt. Als Oberstoff habe ich Jeansstoff einer Hose verwendet, als Futterstoff festen Baumwolljersey.
Kreise sind mit Textilfarbe aufgepinselt. Als Schablone dienten mir zweckentfremdet ein paar Unterlegscheiben aus dem Ersatzteilfundus der Garage.

 
 
Über die Reihenfolge der Teile beim Nähen habe ich mich erst gewundert, nach dem Wenden war alles so wie es soll. Ein paar Vorstiche um die gemalten Kreise für die Reverse-Applikation = Negativapplikation und um die Krempe ... fertig.
 
 
 
Der Kopfumfang war mit 61 cm angegeben und ich dachte zunächst, das sei viel zu groß. So wie der Hut sitzt könnte er sogar etwas weiter sein. Auf einer langen Haarmähne kommt er sicher am besten zur Geltung. Ich lasse mir erst mal wieder die Haare wachsen, dann sehen wir mal mit einem Tragefoto ...
 
An diesem Hut gefällt mir, dass die Krempe nach oben geklappt ist und als Fläche Gestaltungsspielraum gibt.
 
Auf der Suche nach einem Nähbeispiel für Kopfputz erinnerte ich mich an einen Hut in einem Bastelbuch. Er wird dort lässiger Kapotthut genannt. Lexikas beschreiben diesen Begriff als unter dem Kinn gebundener, kleiner, hoch auf der Frisur sitzender Damenhut der Biedermeierzeit. Es gibt Verweise auf Schute (Hut).

Eine Bildersuche zu Kapotthut ergab, dass sich der Begriff  aus der Capote des 18. Jahrhunderts ableitet, einer Art Kapuzenumhang.
... Der Begriff "Capote" blieb aber weiter bestehen, die Hüte verkleinerten in den 1860er Jahren ihren Schirm immer mehr, die Krone kehrte zurück und aus dem Begriff Capote wurde der Kapotthut. Diese Bezeichnung wird quer durch die Literatur - vor allem die nach den 1870ern - für alles und jedes benutzt, was mehr oder weniger klein und mit wenig Krempe versehen ist. DEN Kapotthut gibt es also nicht.
 
Um Kopfputz geht es heute auch bei der Stoffspielerei. Das Thema hat mich motiviert, mal solch einen Hut zu nähen.