Posts mit dem Label Mode werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Mode werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 25. Juni 2023

Stoffspielerei rund um Mode und Designer

 Sabine hat als Thema für diesen Monat

ausgewählt und versammelt Beiträge dazu auf ihrem Blog tychestouch. Es ist ein Thema, bei dem ich eine Weile darüber nachgedacht habe, in welche Richtung ich meinen Beitrag heute lenken sollte. Eine Lieblingsepoche oder einen einzelnen Designer, der mich anspricht habe ich nicht. Es sind eher einzelne Details und Elemente von Diesem oder Jenem die mir gefallen oder die ich beim Nähen für den Eigenbedarf benutze. Für den eigenen Bedarf haben sich im Laufe der Zeit auch für Kleidung Erfahrungen und Vorlieben heraus gebildet. Immer mehr gilt: "Bequemlichkeit kommt vor Eitelkeit".

Meine Prägung der Vorlieben für Mode führt zurück in die 70er Jahre. Musik und Filme konnten von Grenzen (DDR) nicht aufgehalten werden. Seit langer Zeit bestehen Wechselwirkungen zwischen Mode, Musik, Film und Kunst.


Neben dem bunten Flower-Power-Gefühl gab es beginnende Rohstoffknappheit (in der DDR permanent), die Kulturen vermischten sich, Unisex-Kleidung kam auf, Second-Hand kam in Mode. Noch immer mag ich die Silhouette einer Schlaghose an mir lieber als eng anliegende mit Sicht auf Knöchel. Hippie-Mode, bunte Vielfalt, Ethno-Muster, Jeans, Lässigkeit, Bohemien-Style, Oversized-Größen, Lagenlook mischten sich später mit den Merkmalen der 80er Jahre: geometrische Formen, grafische Muster, kastige Oberteile - für mich gerne weniger bunt aus Naturfasern.

Rückblickend überlege ich, ob bestimmte von mir bevorzugte Kleidungsmerkmale bestimmten Designern zugeordnet werden könnten. Ein bisschen ist der durch Vivienne Westwood populär gewordene Grunge-Style in meinen Re-Fashion-Projekten, nicht so gewagt plakativ und auch ohne Kombination mit hohen Schuhen. Oft waren ihre Designs provokativ der Zeit voraus und auf jeden Fall nachdenkenswert. Ihr Zitat über Bücher als Accessoire mag ich u.a. 

An Karl Lagerfeld mochte ich seine kurzweilig unterhaltsame Art und seine Vorliebe für schwarz-weiß. Auch von ihm gibt es nachdenkenswerte Zitate, manchmal hat er allerdings auch unbedacht los geplappert und beispielsweise ... von Taschen und Kühen geredet.

Von Yves Saint Laurent ist mir die Kombination von Mode mit Kunst im Gedächtnis geblieben. Viele kennen sicher sein Mondrian-Kleid von 1965.


Die Dokumentation über Alexander McQueen habe ich gerne gesehen. Es war interessant zu erfahren, dass eine Reihe seiner Inspirationen auf Bücher in seinem Elternhaus zurück gehen. Seine letzte Show rund um einen Müllhaufen hat vieles vorweg genommen, das die Modeindustrie inzwischen beschäftigt.

Ein Thema der Stoffspielereien hat uns zu Natalie Chanin geführt. Im Jahr 2000 gründete die Designerin Natalie "Alabama" Chanin in Alabama mit handgenähten Kreationen ein Unternehmen. Es wurden Frauen aus der Umgebung beschäftigt. Verarbeitet wird regional ökologisch produzierte Baumwolle. Designbeispiele ihres Unternehmens sind inzwischen in der Fashion-Welt geschätzt. Mehrere Bücher erläutern die Technik, enthalten Designmuster und inspirieren zum selbst gestalten. Textilfarben unterstützen den Prozess. Perlen als weitere Zutat bringen einen edlen Touch.

Auch ich habe 2 ihrer Designs für Re-Fashion verwendet. Ihre Technik ist vielseitig einsetzbar und wandelbar. Auch für individuelle Designs wende ich diese Technik an.

Gerne sehe ich mir Dokumentationen über Design oder Architektur an. Für mich ist es Kunst. Ich erfahre etwas über Hintergründe, Inspiration und Einzelheiten hinter einen Projekt. Auch war das Thema Gelegenheit, in ein paar Bucher einzutauchen:

Von der Tracht zu Frieda von Lipperheide, dem Modelexikon ...





Mode ist bekannterweise eine vergängliche Sache. Ich bin froh, dass es keine Kleiderordnung mehr gibt. Auch der noch später übliche Dress-Code für bestimmte Anlässe scheint nur noch selten zu gelten. Zum Glück haben sich Frauen des einzwängenden Korsetts entledigt und können wenn sie mögen Hosen tragen. Aktuell verliert der BH an Bedeutung. Die Innenstädte verändern sich. Werden die exklusiven Designer-Läden in den Großstädten bleiben oder werden sie den Kaufhausketten folgen?

Wahrscheinlich gehören die genannten Designer und andere mit markanten Designs bald der Vergangenheit an. Denn die Probleme unserer Zeit stellen andere Anforderungen. Ein Designer entscheidet, welche Materialien und Herstellungsprozesse zum Einsatz kommen. Inzwischen ist dieser Aspekt mindestens genau so wichtig wie das fertige Produkt. Ich frage mich, ob es in einem auf Wachstum basierenden System gelingen kann, Slow-Fashion zu etablieren. 

Es ist eine spannende Zeit. Manchmal sehnen wir uns nach etwas Schönem und Vertrautem Das kann Grund sein für die anhaltende Vintige-Vorliebe die auch ein bisschen ein gutes Gefühl bringt. Hier ist ein Bericht, wie nach dem Fallen der Covid-Masken bei der Generation Z alles überschwänglich bunt gemixt wird.
Mit all den Gedanken rund um Modeepochen frage ich mich, was von der Mode unserer Zeit im Geschichtsbuch übrig bleiben wird. Ich hoffe, es ist mehr als die Müllberge in der Atacama-Wüste

Nun bin ich gespannt auf die anderen Beiträge, und freue mich aufs Lesen im Laufe des Tages.

Die Stoffspielerei-Termine 2023:

(Die alten Beiträge der vergangenen Jahre findet man übrigens unter https://stoffspielereien.net/)

Die Stoffspielereien

Bist du auch eine Stoffspielerin?

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfekt-Sein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Machst du nächstes Mal mit? 

Sonntag, 26. Juni 2022

Stoffspielerei Porträt Frida Kahlo

 Clara sammelt heute auf ihrem Blog bimbambuki Stoffspielereien zum Thema

Porträt


Für mich ist es eine Gelegenheit, das Thema erneut aufzugreifen. Bereits 2018 ging es bei den Stoffspielereien um Gesichter

Als Motiv habe ich eine Frau gewählt, die in vielerlei Hinsicht als Ikone gilt. Der opulente Blumenschmuck, den sie oft trug, bietet interessante textile Gestaltungsmöglichkeiten. Auch zu den durch sie bekannt gewordenen mexikanischen Folkloreblusen in Kastenform (Huipiles) habe ich adäquates Material im Fundus.

Die Übertragung vom Motiv, Stilisierung und Detail beschäftigte mich gedanklich eine Weile den malen gehört nicht zu meinen Stärken. Als Motiv verwende ich ein Foto aus dem biografischen Taschen-Buch (ISBN 978-3-8228-6599-6) von Andrea Kettenmann. Ein Foto der Rückseite drucke ich mit Laserdrucker passend zum Rahmen in den ich meine Nadelei einsetzen möchte.


Dafür habe ich dünnes Papier verwendet in der Hoffnung es staut sich im Drucker vor der Fixierungswalze. Wenn man schon mal ein Malheur einplant läuft alles tadellos. Dann also weiter mit Plan B.

Zur weiteren Verwendung habe ich das Motiv geteilt um an bestimmten Stellen eine Nahtzugabe nach hinten klappen zu können. Beige Wildseide aus meinen Vorräten verwende ich als Stoff für die Haut.


Eine Bügelprobe zur Übertragung des Toners auf den Stoff brachte kein Ergebnis, fixierte aber immerhin das Papier auf dem Stoff. Dann erinnerte ich mich an einen alten Trick aus Zeiten als es noch keine Kopierer gab: Mit Fleckenwasser konnte man Magazinseiten gespiegelt übertragen. Glücklicherweise hatte ich aus dem Nachlass meiner Schwiegermutter dieses Fleckenwasser vorrätig. 



Dieses Ergebnis bildete eine gute Grundlage für weiterführende textile Experimente. Mit Textilstiften und Permanentmarkern sind Konturen nachgezogen, Schattenflächen mit  weichem Bleistift verstärkt.


Ein Vlies verstärkt die Fläche auf der Nadelstiche ergänzt werden. Nahtzugaben klebe ich auf das Vlies.


Nun beginnt der Prozess des Gestaltens. Ein Webstoff aus dem Fundus erinnert an Folklorekleidung. Etwas eingereiht nähe ich ihn an die Dekolletee-Linie. Solchen Webstoff hatte ich bereits für ein Stuhlkissen benutzt.

Konturen, Mund, Augen, Nase und Haare sind frei nachgestickt. Textile Blüten gibt es ein paar fertige im Fundus, allerdings scheinen sie mir zu groß so dass ich ein paar kleinere aus Schleifenband nähe.

Als Schmuck findet sich auch reichlich Material im Fundus. Ursprünglich war es zur Gestaltung von Reverse-Applikationen gedacht. Wer die Wahl hat ...

Mein Porträt ist auf einer Vinylfläche in ovaler Rahmengröße befestigt. So könnte ich den Hintergrund variieren oder Tapetenmuster durchscheinen lassen...


... oder auch nicht ...


Tatsächlich hat das Porträt in unserer Küche einen Platz gefunden. Der Webstoff findet sich in einem Tischläufer und dem Stuhlbezug wieder.


So schaue ich nun das Porträt an wenn ich in die Küche komme und es sieht aus, als schaut es zurück. Für mich ist es ein Symbol, das ermutigt, das Beste aus seinem Leben zu machen und nicht zu jammern.

Mehr Informationen über Frida Kahlo habe ich u.a. hier gefunden:


2015 hatte ich das Grassi Museum in Leipzig besucht und Gelegenheit, mir dort Textilien aus Mittelamerika aus der Nähe anzusehen. Darunter die traditionellen Frauenblusen der Maya mit bunten Stickereien. Frida Kahlo präsentierte sich auf Fotografien und Selbstporträts oft stolz in solchen Huipiles. Mir fiel auf, dass bei diesem Schnitt kurz als Bluse oder länger als Tunika kaum Verschnitt anfällt (Zero-Waste). Vielleicht ist das ein Grund für die Zeitlose Beliebtheit solcher Folkloreblusen. Bereits in den 70ern waren solche Blusen (oft second Hand) zusammen mit Blumenkränzen Erkennungszeichen der Blumenkinder aus der Flower-Power-Bewegung.

Der Prozess meiner Stoffspielerei heute lies mich eintauchen in die Geschichte, brachte Erinnerungen zutage und war Gelegenheit, viele Techniken und Themen, die schon Gegenstand der Stoffspielereien waren aufzugreifen.

Nun schaue ich mal, wo und wie weitere Porträts entstanden sind.

Die Stoffspielereien

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Die nächsten Termine:
Juli und August: Sommerpause
25.09.2022: „Webkanten“ bei Siebensachen zum Selbermachen
30.10.2022: „Posamente“ bei made with Blümchen
27.11.2022: „Ornament“ bei Petersilie & Co
Dezember: Winterpause

Donnerstag, 2. Mai 2013

Henry van de Velde in Weimar

Am Tag der Arbeit waren wir mit Freunden auf den Spuren von Henry van de Velde unterwegs.



Um 1900 wollte Graf Harry Keßler Weimar erneut zum geistigen und kulturellen Mittelpunkt Deutschlands machen. Auf seine Empfehlung kam 1902 der Belgier Henry van de Velde (1863–1957) von Berlin nach Weimar. Als Autodidakt mit Visionen und Alleskönner beschäftigte er sich mit der Linie, dem Ornament und dem Lebensraum, der uns umgibt. Teilweise aus Kostengründen ließ er die Form der Funktion folgen, Häuser plante er nach dem tatsächlichen Raumbedarf von innen nach außen. In Weimar entwarf er zuerst das Nietzsche-Archiv und wurde zunächst auf Händen getragen. Im Auftrag des Großherzogs Wilhelm Ernst kümmerte er sich um das Design der Kunsthandwerksbetriebe und Industrie im Land. Eine enge Zusammenarbeit gab es mit Bürgeler Keramik-Fabrikanten. Er unterwies Kleinunternehmer in Design und stellte eigene Entwürfe zur Fertigung zur Verfügung. Bis 1915 gründete und leitete die Großherzoglich Sächsische Kunstgewerbeschule. Sein Betätigungsfeld war vielfältig, praktisch war er der Erfinder des Corporate Designs. Nach seinen Entwürfen wurden Möbel, Gebäude, Keramik, Schmuck, Stoffe und auch Kleider realisiert.

Mitte des 19. Jahrhunderts war es an der Zeit, das Korsett aus gesundheitlichen, praktischen und weiteren Veränderungen an den Nagel zu hängen. Während und nach dem Krieg musste gespart werden. Ein Korsett kann man ohne Hilfe (Personal) nicht schnüren. Immer öfters waren Frauen berufstätig. Außerdem behinderte es sportliche Betätigungen wie z.B. Rad fahren. Auch von ärztlicher Seite wurde auf Gesundheitsschäden hingewiesen. Mit Anna Muthesius und Paul Schultze-Naumburg entwarf auch Henry van de Velde weibliche Reformkleidung.


Van de Velde war von 1902 bis 1917 in Weimar tätig und hat viele Spuren und Grundlagen für spätere Innovation hinterlassen. Die an Schnörkel und Pomp gewöhnten reichen Weimarer haben es ihm nicht leicht gemacht. Missverständnisse, Intrigen und Geldknappheit erschwerten seine Tätigkeit. Am Ende seiner Zeit in Thüringen wurde seiner Familie die Ausreise erschwert.

Sein Erbe in Weimar ist trotz der starken Präsenz des Klassischen Weimars nicht zu übersehen.
2013 widmet sich Weimar diesem Nachlass. Thematische Spaziergänge und mehrere Ausstellungen zeigen seine Tätigkeit als Architekt, Designer und Urvater der Moderne:

19.04.2013 - 01.09.2013 Modeausstellung im Bertuchhaus Weimar
          
Mode und Reform - Kleider der Jahrhundertwende (1890-1914).

24.03.2013 - 23.06.2013 Ausstellung im Neuen Museum Weimar
            Leidenschaft, Funktion und Schönheit.
            Henry van de Veldes Beitrag zur europäischen Moderne

29.03.2013-12.05.2013 Ausstellung Bauhaus-Universität Weimar
            Der Architekt Henry van de Velde
 

24.03.2013 – 12.2013 Haus Hohe Pappeln Weimar
            Öffentliche Führungen Jeden Sonntag 13 Uhr  

24.03.2013 – 12.2013 Nietzsche-Archiv Weimar
            Öffentliche Führungen Jeden Samstag 15 Uhr  

20.04.2013 - 22.09.2013 Dornburger Rokokoschloss und im Keramik-Museum Bürgel
            Doppelausstellung „Henry van de Velde und die Bürgeler Jugendstil-Keramik 

24. März – 16. Juni 2013, Kunsthalle Erfurt im Haus zum Roten Ochsen
            Peter Behrens. Vom Jugendstil zum Industriedesign
            (zeitweise Schüler Van de Veldes)


            einzigartiges Gesamtkunstwerk der revolutionären Gestaltungsideen van de Veldes
            erbaut 1913/14 für den Geraer Textilfabrikanten, Orchideenzüchter
            und Kunstsammler Schulenburg
 

In der Veröffentlichung "Deutsche Kunst und Dekoration Band 10" schreibt van de Felde 1902 für den Verleger Alexander Koch seine Ansichten zur Toilette und Frauenkleidung in dem Artikel "Das neue Kunst-Prinzip in der modernen Frauen – Kleidung", der bei Lexikus gelesen werden kann. Er bemängelt in der Reformkleid-Bewegung die Berücksichtigung der Schönheit und verweist auf seine Veröffentlichung "Die künstlerische Hebung der Frauen-Tracht".

Auch Coco Chanel und Emilie Flöge, bekannt als Model für Gustav Klimt's Porträts, haben sich mit Reformkleidern beschäftigt.
 
 

Dienstag, 16. April 2013

Retro-Hose nähen

In den 80er'n habe ich viele Hosen genäht. Anregungen fand ich in Zeitschriften und Katalogen, bei Material war Erfindungsreichtum gefragt. Für Hosen in Pastell-Tönen eigneten sich Bettlaken, die zuerst mal gekocht wurden um Farbechtheit zu prüfen und die Schrumpfung des Materials abzuschließen.

Weiteres Zubehör waren Druckknöpfe, Ringe und Ösen. Die gab es beim Schuster in großen Stückzahlen für wenig Geld. Werkzeuge dafür hat mir mein Vater gebaut.

Meine Herangehensweise ist vielleicht interessant für Näherinnen, die bezüglich Passform beim Nähen mittels Fertigschnitt unsicher sind. Genäht habe ich nach einer gut sitzenden Lieblingshose. Gestaltungsdetails dann während dem Zuschneiden angepasst. Eine Lieblingshose (möglichst ohne Stretch) hat sicher hoffentlich jeder.

Der Schnitt kann zunächst ohne Nahtzugabe auf großformatiges Papier oder Folie aufgezeichnet werden. Ich lege die Hose auf und zeichne zunächst an der Seitennaht runter, nun Bundbegrenzung, Zwickelbereich ... die Hose vorsichtig so verrutschen, dass die Umrisse gezeichnet werden können. Am Ende sollten Schnittteile für 1 Vorderteil und ein Hinterteil entstanden sein. Falls Abnäher vorhanden sind oder rein kommen sollen dieses bitte auf dem Schnitt ausgleichen. Wer eine Hose hat, die aufgetrennt als Vorlage genutzt werden kann ist im Vorteil. Die Schnitt-Teile falte ich für eine Markierung im späteren Bruch.

Grundsätzlich gilt, dass Bügeln wichtiger Bestandteil des Prozesses ist und die Reihenfolge der Nähte nach bester Erreichbarkeit der zu nähenden Stellen erfolgt.

Zuerst 2 Vorderteile und 2 Hinterteile gespiegelt zuschneiden. Beim Zuschneiden Faserverlauf und eventuellen "Strich" des Materials berücksichtigen. Die markierte Bruchlinie hilft bei gestreiften Stoffen.

Nähen

1. Taschen am Vorderteil, z.B. Eingriff-Taschen
2. Vorderteile rechts auf rechts legen, Naht unter dem Reißverschluss-Schlitz und bügeln, Aus Reststücken eine Lasche für den Bereich hinter dem RV nähen
3. Reißverschluss einsetzen
4. Seitennähte schließen; eine grobe "Anprobe" durch Anhalten ist hier schon möglich
5. Abnäher hinten? am besten jetzt abnähen
6. falls gewünscht Seitentaschen oder aufgesetzte Taschen hinten aufnähen
7. Bund geteilt an beiden Seiten anbringen. Knopf + Loch oder Druckknopf vorne ..., eventuell Gürtelschlaufen
8. Dieser Zeitpunkt der Fertigstellung ist günstig für eine erneute Anprobe. Wer möchte kann die Hose auf links mit Stecknadeln oder Heftsticken zur Passform markieren.
9. Naht hinten schließen. Nahtzugaben und Bund-Enden seitlich befestigen
10. Ab Zwickelbereich Innennähte schließen
11. Länge -> unten umlegen ... Fertig

Anmerkung: Diese Herangehensweise lässt viel Spielraum für individuelle Gestaltung und Anpassung der Schnittform. Den getrennten Bund kann man in Kauf nehmen, ermöglicht er doch auch später, die Größe schnell mal etwas zu ändern.
 
 

Dienstag, 9. April 2013

Viele Stiche hab' ich schon gemacht

Monogrammstickereien auf historischer Wäsche schätze ich sehr, weil ich vor langer Zeit solche Stiche selbst probiert habe. Anregung gab es in den Zeitschriften "Saison" Ausgabe 1989-03 und "Handarbeit" Ausgabe 1989-02.

Die Fotos habe ich raus gesucht, weil ich gesehen habe, dass es inzwischen auch Kragen als Accessoires gibt, beispielsweise mit einem Knopf vorne. 

Durch die vielen Stiche bin ich mit dem Kragen eng verbunden, sozusagen emotional dran geheftet. Inzwischen würde ich für so etwas aber lieber eine Upcycling-Lösung suchen. Das Angebot dafür ist groß ... um Rums etwas zu finden, mit dem man
gut betucht den Alltag feiern kann.
 


Freitag, 5. April 2013

DDR-Zeitschrift "Sibylle"

Die Modefotografie in der DDR war ungewöhnlich, denn die Bedingungen dafür waren besonders - so wie Ihre Fotografen, deren Plattform die DDR-Modemagazine waren. Legendär ist die Zeitschrift Sibylle, deren Macher den Spagat zwischen Mangel und eigenem Anspruch zu bewältigen hatten. Dazu kam noch Einmischung durch Zensur, nicht irgendwelche Wünsche zu wecken oder direkt bzw. indirekt auf Versorgungsengpässe hinzuweisen. Solche Bedingungen sind sicher nicht wünschenswert, machen aber erfinderisch. So sind die Handarbeitszeitschriften der DDR nicht nur Anleitungen und Beispiele für Mode, sondern auch Zeitdokumente.

Mode ist nicht nur Bekleidung, sie ist immer Spiegel der Gesellschaft ihrer Zeit. Das gilt auch für unsere Zeit in der zum Thema Mode Fragen in der Luft liegen wie:

"Wo kommt der Stoff für unsere Kleidung her, wer näht zu welchen Bedingungen und wie kommt der Preis zustande?"

"Wer dreht eigentlich das Modekarussell so schnell?"