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Sonntag, 28. Mai 2023

Stoffspielerei als Reparatur - Hosentaschen

Sabine hat als Thema für diesen Monat

stopfen - reparieren - ändern

ausgewählt und versammelt Beiträge dazu auf ihrem Blog PeterSilie & Co. Bereits in der Ankündigung des Themas fragt sie, ob diese Tätigkeiten überhaupt noch zeitgemäß sind.

Wahrscheinlich ist das individuell unterschiedlich. Obwohl ich gerne und relativ häufig nähe mag ich Nähreparaturen nicht so gerne -  besonders für Dritte. Reparaturen und Änderungen hier im Haushalt gehen zeitnahe klar. Am besten funktioniert es, wenn ich es mir als eine Herausforderung stelle wie beispielsweise visible Mending.

Letztens hatte ein Schwager angefragt, ob ich die Innentaschen seiner Jeanshose reparieren könnte. Sicher kennen viele, die hier lesen solche Situationen. Mein (nicht ganz ernst gemeinter) Vorschlag, die Taschen zuzunähen wurde leider abgelehnt.

Um den Text abzukürzen:
die Hoseninnentasche habe ich repariert, besser gesagt ersetzt.
Schrittweise bebildert zeige ich nun, wie ich vorgegangen bin.

Der verschlissene Zustand zeigt, dass hier radikal Ersatz nötig ist. Bei diesem Anblick drängt sich der Gedanke auf, dass vom Hersteller kalkuliert ein schnell verschleißender Stoff für die Innentaschen verwendet wurde, eine Sollbruchstelle, die nicht so leicht zu reparieren ist. Für eine perfekte Reparatur müsste man nahezu die komplette Hose zerlegen ...


Die Fetzen der Originalinnentaschen habe ich heraus geschnitten


Ein robustes Material aus dem Bestand (Popeline-Mischgewebe) dienst als Material für 2 Ersatzteile. Der Bogen ist von der Hose abgenommen. Zuzüglich Nahtzugaben sind die neuen Teile ringsum versäubern.


Wie nachfolgend abgebildet nähe ich zunächst den Bogen von Hand mit Rückstichen an die Hose (unsichtbar von außen). Von außen nähe ich mit der Nähmaschine noch 2 x Ton in Ton getarnt darüber.


Als nächstes befestige ich das andere Ende der Ersatzteile hinter der Eingriff-Taschen-Lasche. Ich verwende einen Wellenstich hin und wieder zurück (vgl. übernächstes Foto)



Nun können die Seiten der neuen Innentaschen geschlossen werden - soweit es mit der Nähmaschine erreichbar ist. Für bessere Haltbarkeit sind ein paar Verriegelungsstiche in der Naht, intuitiv an Belastungsstellen eingefügt.



Zum Ende nähe ich noch oben am Bund und seitlich runter Ton in Ton zur Fixierung und zum vollständigen schließen der Innentaschen an der Seite. Leider gibt es davon kein Foto und auch nicht von der fertig reparierten Hose. Offensichtlich war ich froh, als sie das Nähzimmer wieder verlassen hatte. So etwas habe ich nicht gerne liegen. Es blockiert meinen Enthusiasmus für kreative Projekte. Schlussendlich bin ich froh, mich dieser Herausforderung gestellt zu haben. Vielleicht sind sie für Leser nützlich bei ähnlichen Reparaturen. Die neuen Innentaschen sind belastbar robust und werden vielleicht länger halten als die Hose drum herum.

Dem Schwager habe ich diese Reparatur so veranschaulicht: Es ist, als müsste man bei einem bestehenden Haus den Keller ersetzten.     

Manchmal ist der Aufwand für eine Reparatur grenzwertig. Bei Eigenbedarf habe ich nichts zu verlieren falls es nicht gelingt. Auch kann ich gestaltende Entscheidungen selbst beeinflussen. Ich kenne und wertschätze den Aufwand. Mit einer sichtbaren Reparatur kann es sogar Spaß machen. Solche Beispiele habe ich schon öfters gezeigt. Weitere Reparaturen sind rechts verschlagwortet.

Nun bin ich gespannt auf die anderen Beiträge, und freue mich aufs Lesen im Laufe des Tages.

Die Stoffspielerei-Termine 2023:

(Die alten Beiträge der vergangenen Jahre findet man übrigens unter https://stoffspielereien.net/)

Die Stoffspielereien

Bist du auch eine Stoffspielerin?

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfekt-Sein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Machst du nächstes Mal mit? 

Sonntag, 30. Mai 2021

Exotische Stoffspielerei und Bügeltaschen

Heute laden die PeterSilien zu den Stoffspielereien ein. Das Thema ist „exotisch“.  Dieser Begriff ist unumstritten abhängig vom eigenen Empfinden. Auf mich macht beispielsweise die asiatische Welt eine exotischen Eindruck. 

In Vorbereitung eines Nähkurses habe ich vor einiger Zeit viele Nähvideos angesehen in denen Bügeltaschen konstruiert und genäht wurden. Ich kann gar nicht orten, aus welchem Land sie kamen und welche Sprache gesprochen wurde: japanisch, chinesisch, koreanisch ...? Jedenfalls war es für mich exotisch. So habe ich für mein Nähbeispiel den exotischsten Stoff aus meinem Bestand gewählt mit einem Touch von Hawaii.


Der Schnitt ist abgewandelt für vorrätige Taschenbügel zum annähen von Hand. Berücksichtigt ist der Mehrweitenwinkel von ca. 30 Grad seitlich oben bis zum Scharnier. Die Länge des schmalen Teiles ergibt sich aus der Abwicklung der ovalen Form, die es bis über den Scharnierpunkt (Kerbe) hinaus umschließt. 

Diese Methode hat den Vorteil, dass der Futterstoff exakt sitzt und keine Überlänge bildet.


Meine Nähvariante ist so, wie ich sie mal in Videos gesehen habe. Die 3 Schnitteile schneide ich aus Vlies ohne Nahtzugabe zu. Ich platziere sie auf Stoffteile in ausreichender Größe samt Nahtzugaben rechts auf rechts. Ganz knapp auf dem Vlies umnähe ich das Vlies wobei eine Wendeöffnung bleibt.


Die Nahtzugabe ist nach dem nähen beschnitten, die Wendeöffnung vor dem Wenden vorgebügelt.


Gewendet können die Wendeöffnungen verschlossen werden, Die 3 Elemente können nun noch abgesteppt werden. Von Hand lassen sich dabei die Blütenmuster etwas plastisch hervorheben.


Zum aneinandernähen von Hand orientiere ich mich mittig unten. Auf dem nächsten Foto sieht man das Futter welches mal eine 80er Übergardine war.


Nach außen gewendet kann nun der Taschenbügel angenäht werden. Die Garnfarbe (Knopflochgarn) ist auf den Taschenbügel abgestimmt. Mittige Fixierung (Faden türkis) hilft dabei, dass er richtig sitzt und vermeidet auftrennen. 


Und so sieht die fertige Bügeltasche aus:


Etwas erinnern mich diese bunten Farben mit viel rosa an Kirschblüten. Andererseits kann es auch sein, dass pastellbunte astatische Täschchen skandinavisch inspiriert sind. Egal, die Welt ist bunt und rund ... alles mischt sich.

Genäht habe ich diesen Schnitt auch mit anderen Stoffresten. Eine Variante mit separater Futterfläche habe ich auch probiert. An ein Täschchen ist außen eine Vinylfläche angebracht. Es könnte als Geschenkverpackung mit Mehrwert genutzt werden.


Eines meiner Täschchen ist ist für Wartezimmer und unterwegs. Ein mobiles Granny-Projekt ist griffbereit enthalten.


Als ich so häkelnd zwischen anderen Wartenden saß wirkte das vielleicht auch exotisch denn die Meisten haben ihr "Wischkastel" bei der Hand ...

Die Stoffspielereien

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Die nächsten Termine:
27.06.2021: „Nähfüße“ bei Nähzimmerplaudereien
Sommerpause
26.09.2021: „Risse und Schlitze“ bei nahtlust
31.10.2021: „Punkte und Kreise“ bei Schnitt für Schnitt
28.11.2021: „Glitzer tröstet“ bei Tyche
Dezember: Weihnachtspause

Sonntag, 23. Februar 2020

XXL-Stoffspielerei mit Upcycling

Clara hat für die monatliche Stoffspielerei im Februar das Thema "XXL" ausgewählt. Sie sammelt die Beiträge auf Ihrem Blog bimbambuki.
Zunächst dachte ich an eine große Jeanstasche oder eine überdinemsionierte Boxybag bis mir der Zufall zu Hilfe kam. 



Bei einer Fahrt durch das Simsongelände beobachtete ich, wie ein Arbeiter beim Entsorgen von Betriebsabfällen ein großes Stück Stoff hoch hielt und anschließend entsorgte. Kurzerhand habe ich angehalten und gefragt, ob ich den Stoff haben kann. Eine genauere Betrachtung ergab, dass es sich um 2 bedruckte Stoffbanner (Werbung eines Autohauses) handelte. Die großen Fotodrucke erinnerten mich gleich an das XXL-Thema. Ist doch erfreulich, wenn sich die Dinge passend fügen.



Meine Methode zum XXL-Beutel nähen ist effektiv und kann größenflexibel auch für versäuberte Baumwollstoffstücke genutzt werden. Auf Extras habe ich verzichtet, manchmal benötigt man ja einfach nur ein Tragebehältnis mit viel Fassungsvermögen.

1. Zuschnitt
Beim Zuschneiden habe ich die Flächen so groß wie möglich gehalten. Es war spannend, die Platzierung der Motive vorauszuplanen.
Die Taschenkörperflächen sind ca. 130 ... 140 cm breit und 60 ... 70 cm hoch. Das folgende Foto zeigt 2 Beispiele. 
Träger entstanden 3-lagig aus Randstreifen von 65 x 10 cm.

Das Material braucht nicht versäubert zu werden.


Die Kante oben bügle ich schon im ausgestreckten Zustand um: ca 3 ... 4 cm je nach Motiv

2. Nähen eines Beutels ohne Futter

  • Microtexnadeln für Polyestergewebe, Polyestergarn 120 Nm
  • Schließen der seitlich liegenden Flächen rechts auf rechts
  • auseinanderbügeln und einen Zierstich darüber zur Stabilisierung dieser Naht
    Naht ausbügeln und Kante oben nachbügeln
  • Loopform rotieren bis das Motiv sich an der gewünschten Stelle befindet
    Seitenkanten bügeln
  • Naht an der Bodenfläche + zusätzlich ein paar ZickZacknähte zur Verstärkung




  • Ecken markieren (hier 5 cm) und abnähen, nicht abschneiden


  • Taschenkörper oben durch eine Bügelkante mittig markieren
  • rechts und links von der Bügelkante im Abstand von 6 cm Markierungen für die Position der Träger setzen 
  • Die beiden Fotos unten zeigen meinen Nähweg. Mit Geradstich über mein Mäuschen nähere ich mich dem Startpunkt für die 1. Runde.
  • Dort drehe ich für die Umrundung und stelle meine Stichbreite auf 5 mm, die Stichlänge auf 2,5 mm.
    Ich wähle einen Wellen-Zierstich und nähe bis zu der Stelle, an der ein Träger angenäht wird. Auf dem Weg über dem Träger verringere ich die Stichlänge auf 1 mm. Das erhöht die Belastbarkeit.
    Hinter dem Träger schalte ich wieder hoch und nähe mit 2,5 mm Stichlänge bis zum nächsten Träger. usw.


  • Nach der 1. Runde drehe ich um die Tasche 45 Grad und nähe mit Geradstich an die Startposition für eine weitere Runde.
  • Beim Übernähen der Träger verringere ich wieder die Stichlänge.


Diese Methode verwende ich gerne zum Nähen von Beuteln. Die dichten Zierstiche gehen flüssiger als Haus-vom-Nikolaus-Kreuze und sehen bei mir auch ordentlicher aus.

Und nun die Beutel:
Leider hatte ich kein Taschenmodel verfügbar, meine Schneiderpuppe hat sich von ihrer besten Seite gezeigt ... Ergänzend habe ich die Beutel liegend fotografiert. Zum Größenvergleich sind DVDs drauf gelegt. Das ist keine Film-Werbung sondern zusätzlich ein kleiner Einblick in meine Musik- und Filmvorlieben (falls es jemanden interessiert).











Am Ende noch die Auflösung der Automarke, die Trennung des Textes mag ich so.
Von einer Freundin habe ich mal gehört, dass Firmen nicht begeistert von einer 2-Verwertung vom solchen Werbematerialien sind. Das leuchtet mir ein, denn es kann in eine verunglimpfende Richtung gehen.


Mein Upcycling entstand spontan als Müllvermeidung. Die Motive sind wohlwollend neu positioniert nach meinem optischen Empfinden. Verschnitt-Minimierung ist mir auch wichtig und passiert intuitiv. Für mich steht die Funktionalität und mehrfache Nutzbarkeit im Vordergrund.

Aus Reststücken sind noch ein paar kleinere Beutel entstanden. Die grafische Stückelung von großer Schrift erinnert an die Freitag-Taschen aus LKW-Planen. Ein bisschen ist meine Nähaktion inspiriert von diesem großen Vorbild. 



Übrigens gibt es hier immer noch die Linkpartys für plastikvermeidende Tragebehältnisse.
XXL-Taschen passen da rein. Für Upcycling-Beutel gibt es eine separate Linkparty,


Nun bin ich gespannt, was bei den anderen Stoffspielerinnen Großes entstanden ist. 


Die Stoffspielereien

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.
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Die nächsten Termine:
29.03.2020: "Draht und Stoff“ bei Nahtlust
26.04.2020: "Visible Mending“ bei 123-Nadelei
31.05.2020: „Blumen“ bei Petersilie & Co
28.06.2020: „Monogramme“ bei made with Blümchen
Juli: Sommerpause
August: Sommerpause
27.09.2020: "Texturen aus der Natur“ bei Schnitt für Schnitt 
25.10.2020: „Textile Behältnisse“ bei Feuerwerk by kaze
29.11.2020: (Thema noch offen) bei Nähzimmerplaudereien
Dezember: Weihnachtspause

Sonntag, 27. Oktober 2019

Stoffspielerei mit gewebten Stoffstreifen

Christiane hat für die Stoffspielereien im September das Thema Handweben gewählt. Mein Nähprojekt entstand als Experiment. Ich wollte nachvollziehen, ob es sich zum Nähen mit Kindern eignet. Deshalb habe ich farbenfrohe Stoffe gewählt:



Vorbereitet habe ich aus Streifenzuschnitten von 10 cm Breite 32 Streifen a 32 cm + 2 cm Nahtzugabe. Davon sind 16 Streifen neonfarben und 16 bunt gestreift. Durch bügeln ergeben sich je 2,5 cm sichtbare Streifenbreite. Mit Geradstich und Zierstich sind die Streifen dauerhaft fixiert.
Umrahmt wird die Webfläche von neonfarbigen Streifen (4 cm + 1,5 cm Nahtzugabe. Beim annähen der Neonstreifen an die Einfassung seitlich (2, 3) habe ich Malerkrepp als Hilfsmittel benutzt. In das so entstandene Gitter habe ich die Hälfte der bunten Streifen gemeinsam eingefädelt. Dazwischen jeweils einen wechselnd auf/ab.



Zur Bändigung der ausbeulenden letzten Streifen habe ich oben und später unten einen Vliesstreifen aufgebügelt. 


Die Fläche erhielt oben und unten den fehlenden Neonrahmen. Im Bereich neben den Nahtzugaben ist Volumenvlies hinter den Neonrahmen. Ein paar umlaufende Abstepplinien sind dekorativ und fixieren alles.


Rückseitig seht ihr den gestreiften Stoff im Original. Es war übrigens ein Riesen-Schlafanzug XXXXX. Die Knopfleiste habe ich funktional integriert.

Das Thema hat mich motiviert, mal wieder eine Nähreparatur von Hand auszuführen. Ein löchriges Geschirrtuch habe ich kreisförmig zunächst Trick-markiert, mit Vorstichen umrundet und anschließend gestopft. Weil auch die Rückseite oft sichtbar ist habe ich dort etwas improvisiert. 

Obwohl ich oft von Hand nähe ist mir diese Nadelei nicht leicht von der Hand gegangen. Wenn sich ein Kettfaden versteckt kommt man ganz aus dem Muster-Rhythmus.
In diesem Fall wird die Reparatur ihren Zweck erfüllen. Kunststopf-Reparaturen werde ich nun noch respektvoller betrachten. Mein Beispiel könnte ich als Ausgangspunkt für eine Stickerei verwenden und eine Blüte drum rum entstehen lassen ... das wäre dann ein echtes "Visible Mending" (Sichtbare Reparatur).

Nun bin ich gespannt, was die anderen Stoffspielerinnen gewebt haben.

Die Stoffspielereien

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24.11.2019: "Nähen auf Papier“ bei Nähzimmerplaudereien
26.01.2020: "Textiler Schmuck" bei Siebensachen
23.02.2020: (Thema noch offen) bei bimbambuki
29.03.2020: "Draht und Stoff“ bei Nahtlust
26.04.2020: "Visible Mending“ bei 123-Nadelei
31.05.2020: „Blumen“ bei Petersilie & Co
28.06.2020: „Monogramme“ bei made with Blümchen
Juli: Sommerpause
August: Sommerpause
27.09.2020: "Texturen aus der Natur“ bei Schnitt für Schnitt 
25.10.2020: „Textile Behältnisse“ bei Feuerwerk by kaze
29.11.2020: (Thema noch offen) bei Nähzimmerplaudereien
Dezember: Weihnachtspause

Dienstag, 4. September 2018

Upcycling Wimpelketten nähen, so kann es gehen

Noch letztes Jahr konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich mal Wimpel-Ketten nähe. Vorzugsweise nähe ich nützliche oder praktische Dinge. Inzwischen habe ich herausgefunden, dass Wimpelketten nicht nur dekorativ, sondern auch nützlich sein können (Auflösung weiter unten im Text)


Meine Erfahrungen, Tipps und Tricks folgen hier:

Materialauswahl
Aufder Suche nach einem Nähprojekt für Kinder freundete ich mich mit Wimpelketten an. Für unser Projekt konnten wir Second-Hand-Textilien nutzen. Ausgewählt habe ich Materialien, die ich ansonsten nur selten vernähe: Polyesterbettwäsche, Polyestergardinen und Mischgewebehemden. Diese synthetischen Materialien haben im Vergleich zu Naturfasern (Baumwolle, Leinen) den Vorteil, dass sie schneller trocknen und nicht so schnell ausbleichen. Wenn die Wimpelketten den Innenbereich schmücken sollen bietet es sich an, Baumwoll-Stoffreste zu verwenden.

Schnitt und Größe der Wimpel, Fähnchen nähen … bügeln wenden …
Für die Größe der einzelnen Wimpel orientierte ich mich an einem A5-Blatt. Meine Wimpelschablone ist 21 cm hoch. Für einen Zuschnitt mit wenig Verschnitt sollte der Winkel des Wimpels 45 Grad messen. Dann sind ineinander geschachtelte Zuschnitte möglich, sofern es das Stoffmuster zulässt. 

Erfahrene Nähtüftler können auch gleich streifenweise nähen und zwischen den Nähten schneiden. Diese Methode hat den Vorteil, dass es sich leichter näht. Weshalb? Durch den Schnitt im Winkel entsteht eine Schnittkante im Schrägschnitt, die leicht elastisch ist und sich ziehen oder weg drehen kann.


Auf meinem Nähtisch ergab es sich, dass ich pragmatisch ein zugeschnittenes Wimpel-Element rechts auf rechts zur Anprobe auf andere gepatchte Stoffreste gelegt habe. Wenn das Gegenstück groß genug war habe ich direkt um das zugeschnittene Wimpelelement genäht und später die 2. Lage passend abgeschnitten. Das ist übrigens ein Ablauf, bei dem auch Kinder helfen können.


Genäht wird natürlich hintereinander weg als Fähnchen: ein Wimpel nach dem anderen mit 1 oder 2 Stichen zwischen den Nähteilen. Für eine Wimpelkette gehört sich das nach meiner Ansicht so, da brauche ich keinen Fadenabschneider. Geschnitten wird später, da kann man auch gleich die Spitze etwas frei schneiden damit sich die Nahtzugabe nach dem Wenden in der Spitze weniger staut oder knubbelt. Beim Freischneiden der Spitze bitte darauf achten, dass der Faden der Naht nicht angeschnitten wird.


Vor dem Wenden bügle ich die Wimpel weil sich dadurch die Naht entspannt. Direkt im Anschluss habe ich die Wimpel gewendet. Es empfiehlt sich, bei den gewendeten Teilen die Nähte anzubügeln und  erst danach die Wimpel flach zu bügeln. So kann ein Stapel wachsen mit Vorfreude auf die Wimpelkette. Vorfreude ist schön und nähen macht Spaß. Deshalb haben meine Wimpel eine zusätzliche Naht von außen über die Nahtzugaben bekommen. An der Spitze drehe ich mit der Nadel im Wimpel steckend. Eine spitze Stopfnadel stecke ich in die Spitze und helfe meiner Maschine über die Spitze, die vom Transport nur auf kleiner Fläche geführt werden kann. Ich nähe gerne solide. 


Diese zusätzliche Naht fixiert die Nahtzugaben im Inneren. Wer mal eine Wimpelkette im Wind beobachtet wird feststellen, dass Wind eine starke Naturgewalt ist, die so einem kleinen Stöffchen  zusetzen kann. Die zusätzliche Absteppnaht hält den Wimpel in Form.
Bevor es weiter geht habe ich die Wimpel oben begradigt.


Wie lang soll die Wimpelkette werden und wie viele Wimpel benötige ich dafür?

Das ist bei all der Freude am Nähen und Stoffreste aufräumen eine Frage, die man nicht ewig vor sich her schieben kann. Die offenkantige Seite meiner Wimpel ist  17 cm lang. Zwischen den Wimpeln lasse ich einen kleinen Abstand (3 cm). Diese beiden Maße ergeben einen Wert, mit dem sich Wimpelkettenlängen planen lassen. Es ist ein Richtwert. Falls ein Wimpel mehr oder weniger auf Euer vorbereitetes Kettenband passt wird die Welt nicht unter gehen. Aus Stoffresten könnte man nachträglich auch mal als Abschluss einen Babywimpel ergänzen. Solche individuellen Anpassungen finde ich originell. Auch gleich am Anfang und Ende könnte man aus kleineren Stoffstücken größengestaffelt Wimpel platzieren.


Wie hänge ich die Wimpelkette später auf?

Ein paar Reststreifen meines Wimpelstoffes von ca. 25…30 cm Länge und ca. 5 cm Breite habe ich gebügelt, so dass kleine einlegbare Schlaufen entstehen, die man irgendwo einhängen kann. Alternativ kann durch die Schlaufe auch eine zusätzliche Bindebefestigung angebracht werden wenn z.B. ein Baum als Stütze verwendet wird. 


Fertiges Webband ist als Schlaufenmaterial auch gut geeignet.

Die Wimpelkette wird genäht …

Anfangs hatte ich berichtet, dass wir Bettwäsche als Material verwendet haben. Von den Bettbezügen seitlich Streifen abgeschnitten, das waren schon mal jeweils 4 Meter, ein gutes Maß für eine Wimpelkette. Wenn man Glück hat ist die Naht gekettelt und man kann sie ganz leicht aufdröseln wie eine gehäkelte Kette. Durch Anschnitte mit dem Nahtauftrenner findet man leicht die richtige Seite. Noch mehr Glück hat man, wenn die Seiten der Bettwäsche mit Webkanten enden. Webkanten fransen nicht aus, da spart man sich an dieser Kante das Versäubern oder einschlagen. 
Oft wird ein fertiges Schrägband verwendet, um die Wimpel dazwischen einzulegen. Das ist natürlich auch möglich.

Meine Technik zum Komplettieren = Fertig nähen habe ich von den Patchworkern abgeschaut. Ich verwende einen Streifen in der gewünschten Länge. Breite des Streifens ist 6 cm bzw. 6,5 cm. Natürlich kann man den Streifen auch aneinander stückeln. Auch hier sind die Tricks der Patchworker nützlich: Ein Aneinandernähen mit 45-Grad-Winkel verteilt die Nahtzugabe beim Nähen.


Jetzt geht’s los … gleich nach dem Bügeln des Streifens (Kettenband): links auf links ergibt sich ein 3 cm breiter doppellagiger Streifen mit Bügelkante, die ist für uns wichtig weil sie nicht ausfransen wird. Die kurzen Seiten sind eingeschlagen bzw. versäubert.


Den gebügelten Streifen positioniere ich nähbereit unter dem Nähfuß, die Schnittkanten zeigen zum Nähmaschinenkörper. Bei ca. 8...10 cm lege ich den ersten Wimpel schnittkantenbündig über das Kettenband. 

Ich nähe mit Geradstichen bis zum Ende des Wimpels. Eine Markierung auf der Nähmaschine berücksichtigt den Abstand zwischen den Wimpeln und zeigt mir, wo der nächste Wimpel angenäht wird. Beim Nähen entscheide ich über die Nachbarschaft der Farben und Muster. Falls jemand kleine Assistenten zur Stelle hat können diese solche Entscheidungen übernehmen. Am Ende lasse ich synchron zum Beginn Abstand. Die Länge der Kette kann ich immer noch anpassen.


Und jetzt? Erst mal wieder bügeln: zuerst über die Naht und anschließend die Bügelfalz des langen Bandes nach oben. Die Zwischenräume folgen der vorgegebenen Richtung.


Zurück an die Nähmaschine: nun benötigen wir die vorbereiteten Laschen. Diese gehören an Anfang und Ende des Kettenbandes. Ich schiebe 2 Enden einer Lasche mit ca. 5 cm Überlappung unter die Nahtzugabe und nähe mit Zickzack fest. Im Rückwärtsgang bewege ich mich zum Anfang des Kettenbandes. Abschließend wird die Bügelkante über die gesamte Länge über die offenkantigen Nahtzugaben abdeckend positioniert und fest genäht. 


Am Ende nicht vergessen: die 2. Lasche einlegen. Meine Laschen sind sehr fest fixiert, da ging mir Stabilität vor Schönheit.

Nützlich?

Anfangs hatte ich erwähnt, dass Wimpelketten nützlich sein können. Letztens hat mein Mann ein Partyzelt im Garten aufgebaut und mich nach Wimpelketten gefragt. Ich sollte damit die Spannseile zu den „Heringen“ dekorieren, damit niemand stolpert. Na wenn das nicht nützlich und praktisch ist …

Fazit

Ziemlich lang ist mein Erfahrungsbericht zum nähen von Wimpelketten geworden, ich hoffe die Fotos dazwischen können Euch eine Hilfe sein, wenn ihr auch Wimpelketten nähen wollt.
Ich nähe erst mal keine mehr, 2 x Bett- und Kissen-Bezüge ergaben ca. 180 Wimpel, dazu noch welche aus Resten vom Talentcampus. Wer mag kann ja ausrechnen, wie viele Meter Wimpelkette ich genäht habe (17 cm Wimpel + 3 cm Abstand = 20 cm Raster).
Gegen ein kleines Entgeld würde ich die Wimpelketten für regionale Feste ausleihen … aber ich hab auch keine Lust, mich darum zu kümmern und am Ende womöglich hinterher zu laufen. Meine Wimpelnäh-Aktion war eine Aufräume-Aktion. Die Poly-Stoffreste dürfen nämlich nicht zu meinen anderen Stoffen in den Schrank. Nun ist es erledigt, die Wimpelketten wohnen in einer Schachtel und ich überlege, in welchem Schrank Platz dafür ist … Unbestritten war es für die Polyesterbettwäsche eine enorme Aufwertung, ich frage mich sowieso, wer so was herstellt, kauft oder gar benutzt.

Falls Euch meine Erfahrungen hilfreich waren, dann meldet Euch doch in den Kommentaren. Gerne verlinke ich Eure Wimpelkette hier als Beispiel.

Weil ich Stoffreste verwendet habe verlinke ich meinen Beitrag bei der Kunzfrau in der Aktion „Restefest“.  September  Nach weiteren Ideen für Stoffreste schaue ich dort bei der Gelegenheit auch gleich. Sicher kann ich noch andere Stoffe „aufräumen“ und das macht ein gutes Gefühl. Außerdem verlinke ich mal wieder bei creadienstag #347.