Es ist eine genial kompakte elektrische Freiarm-Koffernähmaschine. Sie heißt Freia, ausgetüftelt von Ernst Fischer.
Im Herbst 1946 wurden im Ernst Thälmann-Werk Suhl erste Funktionsmuster hergestellt. Der Erfinder hoffte in Suhl eine eigenständige Nähmaschinenfertigung zu etablieren. Nach dem Krieg durften keine Jagd- und Sportwaffen gefertigt werden. Eine Nähmaschinenproduktion bot eine Alternative. Zunächst fehlte es an Produktionskapazitäten, Arbeitskräften und Materialien. Die Fertigung lief 1947 an: Am 06. März 1948 verließ die erste Nähmaschine das Werk.Der Preis betrug zunächst 298 Ostmark, später 375 und 440 Ostmark. Die Freia ist einer ELNA (Grashopper) nachempfunden. Das Prinzip der Freia war neuartig und wurde patentiert. Ab 1954 stagnierten die Verkaufszahlen. Eine Zick-Zack-Funktion wurde geplant aber nicht gebaut. Strukturelle Veränderungen im Suhler Werk führten zum Ende der Nähmaschinenproduktion in Suhl.
Kompakt in einem Koffer von 30 x 8 x 40 cm mit einem Gewicht von 9,5 kg wurden Koffernähmaschinen in weinrot, grün und schwarz gefertigt.
Die Gehäuse sind nummeriert. Meine mit S 32/1108/1007. Schätzungsweise wurden 110.000 Koffernähmaschinen in Suhl gebaut. Die ersten Maschinen erhielten den Aufdruck Freia, später wurde der Namenszug weg gelassen. Koffer, Frontplatte, Deckplatte, Abschlußplatte, Armdeckel, Freiarmklappe und Handrad sind aus Bakelit.
Der Koffer kann als Anschiebetisch 30 x 80 cm verwendet werden. Ohne ist es eine Freiarmnähmaschine. Mit wenigen Handgriffen ist die Maschine einsatzbereit.
Die Stichauswahl beschränkt sich auf Geradstich im Vorwärts- und Rückwärtsgang. Stopfen und Nadelmalen ist möglich. Ein Kniehebel ersetzt ein Fußpedal.
Ich bedaure, dass die Entwicklung und Fertigung von Nähmaschinen in Suhl endete. Es ist ein trauriges Beispiel der Produktionsbedingungen und -gepflogenheiten in der DDR.
Inzwischen stehen einige Suhler Nähmaschinen in internationalen Designmuseen ...
... und meine bei schönem Wetter auf der Terasse
weitere Fotos auf Instagram.
Im www habe ich ein Video zu diesen Maschinen gefunden: Freiarm-Nähmaschine - Kleines Konstruktionswunder
Infos auch hier:
Glanzlichter des DDR-Designs: Die FREIA
Koffernähmaschine „Freia“
FREIA von Ernst Fischer aus Suhl
Tragbare elektrische Nähmaschine "Freia"
Tiefere Einblicke in das DDR-Alltagsdesign zeigt der Film Schwalbe und Plasteschüssel – Alltagsdesign in der DDR. Eine Freia hat ihren Auftritt bei ca. 5:00 min. Es wird deutlich welchen Balanceakt Entwickler und Gestalter zwischen Mangelwirtschaft und staatlicher Doktrin gingen. Die Gestaltung modern aber nicht modisch, auch puristisch wie bei Bauhaus war trotz Rohstoffmangel nicht gewünscht. All die Zusammenhänge zeigen, weshalb DDR-Produkte keine Sollbruchstellen enthalten und oft nach Jahrzehnten noch funktionieren.
Übrigens hätte ich auch den Vorläufer der Freia mal kaufen können, habe aber nur ein Foto gemacht von einer MeWa:
Die Informationen und Daten fand ich in einer Broschüre der kleinen Suhler Reihe mit dem Titel "Der Nähmaschinenbau in Suhl".


















































